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	<title>Unterwegs</title>
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	<description>Reise-Geschichten aus aller Welt</description>
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		<title>Zu Fuß und ohne Geld</title>
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		<pubDate>Mon, 30 May 2011 09:44:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Teplan</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Von Stefan Teplan Weltbild-Redakteur Stefan Teplan war eine Woche in Niederbayern unterwegs &#8211; allein, zu Fuß und für jede Arbeit zu haben. Ein abenteuerlicher Trip (Erstveröffentlichung im Magazin WELTBILD Nr. 14/1999 unter dem Titel &#8222;Wie weit kommt man ohne Geld?&#8220;) &#8222;Dominique, -nique, -nique, ja, wir ziehen um die Welt, zu Fuß und ohne Geld&#8220;   [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=reisereportagen.wordpress.com&amp;blog=7057200&amp;post=113&amp;subd=reisereportagen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><em></em><strong>Von Stefan Teplan</strong></p>
<p style="text-align:center;"><strong>Weltbild-Redakteur Stefan Teplan war eine Woche in Niederbayern unterwegs &#8211; allein, zu Fuß und für jede Arbeit zu haben. Ein abenteuerlicher Trip</strong></p>
<p><em>(Erstveröffentlichung im Magazin WELTBILD Nr. 14/1999 unter dem Titel &#8222;Wie weit kommt man ohne Geld?&#8220;)</em></p>
<div id="attachment_114" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2011/05/aufmacherseite.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-114 " title="Aufmacherseite" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2011/05/aufmacherseite.jpg?w=150&#038;h=110" alt="" width="150" height="110" /></a><p class="wp-caption-text">Aufmacherseite der Erstveröffentlichung. Ausriss aus Magazin WELTBILD Nr. 14/1999</p></div>
<p><em>&#8222;Dominique, -nique, -nique, ja, wir ziehen um die Welt, zu Fuß und ohne Geld&#8220; </em>  Sr. Sourire<em></em></p>
<p><em><br />
</em>Die Männerrunde trifft sich jeden Abend um acht. Anders als bei vielen anderen Stammtischen wird dabei nicht über Frauen, Fußball und Finanzen geredet. Für Frauen interessiert sich hier keiner. Geredet wird auch nicht. 24 in schwarze Kutten gehüllte Mönche kauen bedächtig ihr Abendbrot – und sagen kein einziges Wort. Reden ist im Refektorium tabu. Das gilt auch für den Armen, den die Ordensbrüder aufgenommen haben. Schon sein hellblauer Jeansanzug und seine braunen Wanderstiefel verraten, dass er nicht zur Schar der Gottesmänner gehören kann. Dennoch passt er zu ihnen: Er ist, zumindest auf Zeit, ärmer als die, die zeitlebens Armut gelobten. Die Ordensmänner sind Benediktiner im niederbayerischen Kloster Schweiklberg. Der Arme bin ich.</p>
<p>Ohne Geld, Schecks oder Kreditkarten, ohne Proviant, nur das Notwendigste für die Hygiene im Rucksack, habe ich zwei Stunden vorher an der Pforte angeklopft und um ein Nachtlager und Essen gebeten. Gebeten, nicht gebettelt. „Ich will nichts umsonst. Ich will dafür arbeiten“, erkläre ich. „Und“, ergänze ich in der Hoffnung, dass das zusätzliche Wirkung zeigt, „ich interessiere mich für das klösterliche Leben.“</p>
<p>Es zeigt Wirkung. Pater Matthäus, der Gastmeister, bringt mich flugs vom Bitten zum Beten. 40 Minuten lang darf ich Psalmen bei der Vesper singen. Dann gibt es das Nachtmahl, dann das Nachtgebet. Dieser Rhythmus scheint sich fortzusetzen: „Um 5.50 Uhr“, verabschiedet sich der Pater vor meiner Zelle, “hole ich Sie zur Laudes ab. Anschließend ist Frühstück. Um 7.15 Uhr beginnt die Eucharistiefeier. Und um 8.00 Uhr gehen Sie bitte zu unserem Gärtner. Sie wollten doch arbeiten.“</p>
<p>Ich sinke ins Bett, erschöpft, aber hochzufrieden. Ist doch der erste Tag meiner Wanderung genauso verlaufen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Zu Fuß und ohne Geld will ich eine Woche durch Niederbayern reisen. Tagsüber marschieren, so weit die Füße tragen. Abends probieren, wie weit Gastfreundschaft und Nächstenliebe reichen. Dabei nicht als Almosenempfänger auftreten, sondern Arbeit anbieten für ein Essen und einen Platz zum Schlafen. Bis auf mein Parr Wanderstiefel, denke ich vor dem Einschlafen, ist es so wie in der Bibel, als Jesus seine Jünger ausschickte: „Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab, denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Unterhalt.“</p>
<p>Ich greife mir die Bibel vom Nachttisch und suche die Stelle im Matthäus-Evangelium. „Seht“, heißt es dort weiter, „ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.“ Das macht mich weniger an. Ich bin, beruhige ich mich, nicht unter Wölfen. Ich bin unter Niederbayern. Was die Sache nicht besser macht, sollten Freunde mit ihren Warnungen Recht behalten. „Du wirst als Landstreicher abgewiesen werden“, kriegte ich vor meiner Abreise zu hören. „Dieses hinterwäldlerische Volk ist misstrauisch gegenüber allen Fremden. Bestenfalls begegnet man dir reserviert. Eher aggressiv. Vielleicht wirst du sogar zusammengeschlagen.“ „Keinen Brotkrümel wirst du kriegen, wirst hungernd und frierend im Wald schlafen müssen.“</p>
<div id="attachment_117" class="wp-caption alignright" style="width: 124px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2011/05/s-teplan-als-bauer.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-117 " title="S. Teplan als Bauer" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2011/05/s-teplan-als-bauer.jpg?w=114&#038;h=150" alt="" width="114" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Bauer für einen Tag: Teplan schultert sein Schicksal. Ausriss aus Weltbild Nr. 14/1999; Foto: Astrid Prangel</p></div>
<p>Das forderte mich heraus. Ich suchte mir – aus Trotz, aus Abenteuerlust – genau die Gegend aus, die mir als die hinterwäldlerischste, konservativste und, auch politisch, schwärzeste Ecke Niederbayerns beschrieben wurde: den Raum Vilshofen im Landkreis Passau. Dort, wo die CSU ihre Aschermittwochsreden hält. Dort, wo das Land von den eigenen Leuten „Bayerisch-Kongo“ genannt wird. Nur zwei Kilometer oberhalb von Vilshofen liegt Schweiklberg – meine erste Anlaufstation nach einem halben Tagesmarsch vom Marktflecken Beutelsbach aus, wo ich mich selbst unter die Niederbayern aussetzte. Immerhin: Ich bekam dort zu essen. Ich bekam zu trinken. Ich bekam Arbeit. Wurde nicht abgewiesen. Nicht zusammengeschlagen. 1:0 für Niederbayern.</p>
<p>Nachdem ich vier Stunden lang Unkraut aus Paprikafeldern, Chrysanthemen- und Gladiolenbeeten gejätet habe, erhalte ich noch ein Essen, bevor ich weiterziehe. „Wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Unterhalt.“</p>
<p>Die Straße glüht in der Frühnachmittagshitze. Ich wandere durch Vilshofen und schlage den Weg nach Süden ein, auf eine kleine Landstraße mit spärlichem Verkehr. Demmlstadt. Jaging. Oberiglbach. Allein die Namen der Orte, die ich passiere, deuten an, dass ich mich durch tiefste Provinz bewege. Ebenso wie die Gesichter der wenigen Menschen, denen ich begegne. Als ich in Jeanskluft, mit Rucksack und aufgepacktem Schlafsack, an einem Haus am Wegrand vorbeimarschiere, verfolgen mich drei ältere Frauen minutenlang mit Blicken, als käme ich aus einer fernen Galaxie.</p>
<p>Nachdem sich diese Erfahrung noch ein ums andere Mal wiederholt, beschließe ich, mehr auf die Menschen zuzugehen. Ich winke, rufe „Grüß Gott“, lächle. Sture Niederbayern? Von wegen. Die Neugier siegt bei den meisten schnell über die Skepsis. Gespräche entspinnen sich an Gartenzäunen, wenn ich erzähle, dass ich zu Fuß und ohne Geld reise. Wohin? Warum? „Ein Selbsterfahrungs-Experiment“, erkläre ich. „Ich mache Urlaub mit minimalsten Mitteln.“ Wo ich schlafen würde? Wo essen? „Da, wo ich etwas bekomme. Sonst gehe ich in den Wald.“ „Ja“, ruft ein Bauer erstaunt, „gibt’s dös a no.“</p>
<p>Nach den ersten Kontakten werde ich dreister: Ich verlange etwas zu trinken. Eine alte Bäuerin, die ihre Krückstöcke an eine Bank vor einem alten Holzhaus gelehnt hat, ruft nach ihrem Sohn, lässt mir frische Milch einschenken und noch eine Flasche für den weiteren Weg abfüllen. „Ich habe aber kein Geld“, wende ich ein. „Dös macht nix.“ 2: 0 für Niederbayern.</p>
<div id="attachment_118" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2011/05/lying-in-the-sunshine.jpg"><img class="size-medium wp-image-118 " title="Lying in the sunshine" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2011/05/lying-in-the-sunshine.jpg?w=300&#038;h=225" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Dolce far niente. Ausriss aus Weltbild Nr. 14/1999</p></div>
<p>Im Ort Wolfakirchen komme ich an einem Rentner vorbei, der mich von sich aus anspricht. „Na, auf Wanderung?“ Er stellt sich vor – „I bin da Sepp Steinbrunner“ – und erzählt mir, während er Bauschutt vor seinem Haus wegschaufelt, von den 1200 Kilometern, die er marschiert sei – im Krieg nach Rußland, nach Ungarn und Griechenland. Als ich nach halbstündiger Unterhaltung weiterziehe, drückt er mir eine Münze in die Hand: „Für deine Wanderung.“ Zwei Mark. 3:0 für Niederbayern.</p>
<p>Das 4:0 schießt Jungabuer Bernhard Nöbauer im Weiler Kemmauthen. Das Abendrot leuchtet bereits über den grünen Hügeln, als ich Bernhard um einen Platz zum Übernachten bitte. Zusammen mit acht Jugendlichen zwischen 14 und 22 steht er in einer riesigen Scheune, die gerade zu einer Art Dorfdisco umfunktioniert wird. „Für unser Sonnwendfest in zwei Tagen“, erzählt er. Rund 200 Leute, die Landjugend aus mehreren umliegenden Dörfern, werden erwartet. Ein paar Scherze, etwas Wortgeplänkel, und schon bin ich eingeladen. Auf das Dorffest. Und zum Übernachten. Die Nöbauers bieten gewöhnlich gegen Bezahlung Urlaub auf dem Bauernhof an. Für mich ist die Herberge sofort kostenlos, nachdem ich meine Lage erklärt habe. Von Gegenleistung in Form von Arbeit wollen sie nichts hören. Und davon, dass ich mit einem Platz im Schuppen oder Heu zufrieden wäre, schon gar nicht. „Meinen ärgsten Feind“, wettert der Senior Sepp, „würde ich nicht im Schuppen schlafen lassen.“</p>
<p>Bevor ich protestieren kann, bezieht seine Frau Rosie für mich ein Bett in einem Feriengästezimmer mit sauber gekacheltem Bad. Duschen, Haarewaschen, dann werde ich zu einem deftigen Mahl mit einer riesigen Käse- und Wurstplatte aus Nöbauerscher Eigenproduktion eingeladen. Die Gastfreundschaft nimmt orientalische Ausmaße an. Bernhard drängt mich ständig, mehr zu essen, Sepp fordert mich auf, noch länger zu bleiben.  Obwohl die Familie wegen der frühmorgendlichen Stallarbeit für gewöhnlich zeitig ins Bett geht, plaudern wir fast bis Mitternacht so vertraut, als würden wir uns Jahre kennen.</p>
<p>Nach dem Frühstück lege ich zwei Versprechen ab. Erstens: In zwei Tagen zum Dorffest wieder zu kommen – unter der Bedingung, dass ich im Stall mitarbeiten darf. Zweitens: die nächste Nacht bei den Hippies zu verbringen, die in der Nähe seit einer Woche campen. In den Dörfern der Umgebung ist die Neugier groß, was und wer sich hinter der merkwürdigen Gruppe verbirgt. Ob ich das Geheimnis lüften könne? „Männer mit fast bis zur Hüfte reichenden Haaren“, wird geheimnisvoll geraunt, „und junge Mädchen laufen manchmal barfuß durch die Dörfer.“ Hasch-Raucher? Sektierer? Taugenichtse?</p>
<p>Bei dem Wort muss ich schmunzeln. Ich führe, neben einem Buch von Knut Hamsun, Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ als Reiselektüre mit. Gelesenes und Erlebtes verschmelzen miteinander, wenn ich, kaum habe ich eine Bleibe verlassen, Sätze lese wie „Ich wanderte, arm wie ich gekommen war, aus meinem Häuschen auf der glänzenden Landstraße von dannen.“ Den Tag über laufe ich auf einsamen Feld- und Waldwegen, raste im Schatten von Bäumen, pflücke die in diesem Jahr schon ungewöhnlich früh reifen Heidelbeeren, lege mich ins Bett im Kornfeld und lese in Eichendorff oder in Knut Hamsuns „Landstreicher“.</p>
<div id="attachment_115" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2011/05/taugenichts.jpg"><img class="size-medium wp-image-115 " title="Taugenichts" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2011/05/taugenichts.jpg?w=300&#038;h=236" alt="" width="300" height="236" /></a><p class="wp-caption-text">Einziger Reiseluxus: die Pocket-Kamera mit Selbstauslöser, mit der ich mich hier z.B. im Bräustüberl Aldersbach, beim Lesen auf der Sommerwiese und bei der Morgentoilette am Bach fotografierte. Ausriss aus Weltbild Nr. 14/1999</p></div>
<p>Hunger und Durst bleiben weiter Fremdworte. Ein Bauer lädt mich ein, im nächsten Dorfgasthaus, dem Bräustüberl Aldersbach, auf seine Rechnung eine Maß Bier zu bestellen. „Ein Gruß vom Kuafner Wastl genügt.“ Ich zweifle. Ob er mich nicht mitten im Juni in den April schicken will? Nein, es stimmt, ich bekomme ein Bier. 5:0 für Niederbayern. Drei Männer setzen sich im Bräustüberl an meinen Tisch. Kurgäste aus dem nahe gelegenen Bad Birnbach, die ausgerückt sind, um es sich, „wieder einmal gut gehen zu lassen. Nur Wasser und Tee und Diät-Essen – des hoit koa Sau aus.“ Und weil sie mich nicht hungrig neben sich sitzen lassen wollen, laden sie mich zu einem üppigen Mahl ein. 6:0 für Niederbayern.</p>
<p>Die Nacht verbringe ich im Freien bei den „Rainbow People“, jenen Hippies, deren Anwesenheit den Dörflern so viele Rätsel aufgegeben hatte. Sie sind keine Haschrauscher, keine Sektierer, keine Taugenichtse. Bei den „Rainbows“ handelt es sich vielmehr um Anhänger einer weltweiten Umweltschützer-Bewegung, Idealisten, die sich ständig an anderen Orten der Welt treffen, um dort indianisch-naturverbundene Lebensweise zu praktizieren. Auf die Erzählungen von meiner Tour reagieren sie in dem ihnen eigenen Jargon: „Wow, das groovt. Das sind die richtigen vibes.“</p>
<div id="attachment_116" class="wp-caption alignleft" style="width: 271px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2011/05/rainbow-people.jpg"><img class="size-medium wp-image-116 " title="Rainbow People" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2011/05/rainbow-people.jpg?w=261&#038;h=300" alt="" width="261" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Stefan Teplan (r.) bei den &quot;Rainbow People&quot;. Ausriss aus Weltbild Nr. 14/1999</p></div>
<p style="text-align:center;">Zum Schlafen komme ich kaum. Bis zum Morgengrauen klingen Indianertrommeln durch die Nacht, tanzen „Rainbows“ um das Feuer. Auch diese Gastfreundschaft will ich nicht als Schmarotzer ausnutzen: Am nächsten Vormittag entrinde ich Stangenhölzer für den Aufbau eines Indianer-Tipis. Nachmittags löse ich auf dem Nöbauer-Hof dann meine Versprechen ein. Bernhard steckt mich sofort in einen Arbeits-Overall. „Damit deine Klamotten beim Fest nicht nach Sau stinken“. Ich verteile frisches Stroh im Schweinestall, verfüttere schaufelweise Maisschrot an die Kühe, reche gemähtes Gras zu Heureihen auf. Ich erzähle nicht nur von den Hippies, sondern habe sogar einen waschechten „Rainbow“ zum Dorffest mitgebracht.</p>
<p>Das freilich fordert mir noch einmal die gleiche Kondition ab wie die Nacht zuvor: Die Landjugend feiert bis morgens um vier. Bernhard spannt spaßeshalber seinen Knecht Teplan kurzzeitig zum Maßkrugspülen ein. Gegen ein weiteres Freibier. Spätestens um Mitternacht höre ich auf, Punkte zu zählen. Essen, Bier, Cocktails, Kaffee – es gibt nichts, wozu ich nicht eingeladen werde.</p>
<p>Die Nöbauers setzen noch eins drauf und bieten mir für die Nacht eine komplette Ferienwohnung an. Mir und auch noch der Fotografin Astrid aus München, die ich Stunden zuvor von den Nöbauers angerufen und so schnell wie möglich zu kommen gebeten hatte. Schließlich brauche ich &#8211; neben den per Selbstauslöser mit einer Billippocketkamera (mein einziger Reiseluxus) geschossenen Bildern noch professionelle Fotos für die Veröffentlichung meiner Geschichte.</p>
<p>Komme mir bloß keiner mehr mit Vorurteilen über Niederbayern. Es steht schon mindestens 100:0.</p>
<div id="attachment_119" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2011/05/sonnwend.jpg"><img class="size-medium wp-image-119" title="Sonnwend" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2011/05/sonnwend.jpg?w=300&#038;h=201" alt="" width="300" height="201" /></a><p class="wp-caption-text">Dorffest, Aufbruch vom &quot;Hippielager&quot; - Fotos von Astrid Prangel, Ausriss aus Weltbild Nr. 14/1999</p></div>
<p style="text-align:right;"><em>© Stefan Teplan</em></p>
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		<title>Kreta &#8211; Im Osten viel Altes</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Oct 2010 10:29:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Teplan</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Reise-Redakteur Stefan Teplan stellt einige Plätze auf Kreta vor, die sich &#8211; trotz voller Strände, trotz Masentourismus in anderen Teilen der Insel &#8211; ihre Ursprünglichkeit noch erhalten haben (Erstveröffentlichung im Magazin WELTBILD Nr. 9, 1999) Abgeschiedene Regionen, in die sich kein Auto verirrt. Stille Oasen, die man nur zu Fuß oder auf dem Rücken eines [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=reisereportagen.wordpress.com&amp;blog=7057200&amp;post=107&amp;subd=reisereportagen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><strong>Reise-Redakteur Stefan Teplan stellt einige Plätze auf Kreta vor, die sich &#8211; trotz voller Strände, trotz Masentourismus in anderen Teilen der Insel &#8211; ihre Ursprünglichkeit noch erhalten haben</strong><em><br />
</em></p>
<p style="text-align:center;"><em>(Erstveröffentlichung im Magazin WELTBILD Nr. 9, 1999)</em></p>
<p>Abgeschiedene Regionen, in die sich kein Auto verirrt. Stille Oasen, die man nur zu Fuß oder auf dem Rücken eines Maultiers erreicht. Verträumte Bergdörfer, wo seit 2000 Jahren die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Buchten und Schluchten, in denen man einsam zweisam wie Adam und Eva im Paradies leben kann. Wunschträume eines Kretareisenden? Als Schriftsteller Erhart Kästner, der in seinem Buch ,Kreta‘ eines der poetischsten Loblieder auf die Insel angestimmt hat, 1943 dort hinkam, war das alles noch Realität. Inzwischen hat ein halbes Jahrhundert verändert, was 2000 Jahre lang unverändert geblieben war. Hotelburgen, volle Tavernen an vollen Stränden, ein sich über das Eiland spannendes Netz von Asphaltstraßen sind das Bild, das sich Besuchern heute bietet.</p>
<p>Und doch, es gibt sie noch, die ruhigen Winkel, in denen das ursprüngliche Kreta erfahren werden kann. Fündig geworden sind wir im Ostteil der Insel, der – zu Unrecht, zum Glück – vom großen Massenansturm des Fremdenverkehrs weitgehend verschont geblieben ist. Die Straße zwischen den Orten Agios Nikolas und Sitia (knapp drei Stunden Fahrt) ist schon wegen des herrlichen Panoramas ein Erlebnis für sich. Aber das ganz große Erlebnis für uns bildet erst das Hinterland. Um es gleich zu sagen: Mit drei Stunden kamen wir hier nicht davon; wir brauchten, vom Reiz der Landschaft immer wieder zu Wanderungen und nötigen Zwischenübernachtungen (siehe Reisetipps unten) verführt, fünf Tage. Die ersten 30 Kilometer nach Agios Nikolas haben wir immer nur Wasser, glitzerndes, türkisfarbenes Meer, vor Augen: Die kurvige Straße windet sich die weißen Felshänge über der Mirabello-Bucht hoch. Vom Ort Istro aus wandern wir rund zwei Kilometer landeinwärts in das kleine Bergdörfchen Pirgos.</p>
<p>Pirgos: Das sind enge, stellenweise unzureichend betonierte Gässchen und kleine, ärmlich wirkende Steinhäuschen, das ist das Gebimmel der Schafglöckchen ringsum, der Geruch von Thymian, Oregano und Rosmarin in der Luft. Wir treffen hier keine Fremden, das Dorf ist touristisch völlig unerschlossen.</p>
<p>Gelber Ginster und rosafarbener Oleander säumen bei der Weiterfahrt die rechte Straßenseite, auf den Meeresblick zu unserer Linken müssen wir ab Pachia Ammos kurzzeitig verzichten. Es geht in das Landesinnere durch Gebirge, durch Olivenbaum-Ebenen, vorbei an kleinen verschlafenen Dörfern, die an den Berghängen kleben. Kavoussi und das einige Kilometer abseits der Hauptstraße liegende Mochlos sind nur zwei jener Orte, an denen es sich lohnt, länger zu bleiben: Kavoussi seiner Ursprünglichkeit wegen und weil es idealer Ausgangspunkt für Wanderungen (etwa zur romantischen Thripti-Schlucht) ist, die durch Weinanbaugebiete und Wald führen und immer wieder Blicke auf das Meer freigeben. Mochlos mehr seines Charmes als Fischerdörfchen wegen, das noch nicht von Touristen überlaufen ist – die tummeln sich im einige Kilometer entfernten Clubhotel Aldiana. Wir kehren außerhalb des Orts lieber in der gemütlichen Kneipe „Sta Limenaria“ ein, von der aus wir den weiten Blick bis nach Agios Nikolas genießen.</p>
<p>Sitia, dessen weiße Häuser stufenartig an den Hang über einer weitgeschwungenen Bucht gebaut sind, wirkt wie ein großes Amphitheater. Es ist der meistbesuchte Ort in Kretas Osten, dennoch mit seinen kleinen Läden, Cafés und Tavernen ursprünglich geblieben. Von Sitia soll die Lassithi-Hochebene ihren Namen haben, Kretas fruchtbares Bergland (siehe Spezialtipp unten). Von dort nehmen wir einen Talisman mit, den der berühmte kretische Autor Nikos Kazantzákis stets als geheime Kraftquelle mit sich trug: ein Stück kretischer Erde. Die Magie soll freilich nur bei dem wirken, der Kreta liebt. Aber wer schon kann Kreta besuchen und nicht lieben?</p>
<p style="text-align:right;">© Stefan Teplan</p>
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		<title>Aloha Bispingen</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Nov 2009 11:59:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Teplan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Aquamundo]]></category>
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		<category><![CDATA[Center Parc]]></category>
		<category><![CDATA[Ferien]]></category>
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		<category><![CDATA[Lüneburger Heide]]></category>
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		<description><![CDATA[Redakteur Stefan Teplan und Fotograf Jan Greune erforschten die Kunstwelt im ersten deutschen Center-Parc (Erstveröffentlichung im Magazin WELTBILD Nr. 11, 1999 unter dem Titel: &#8222;Alles unter einem Dach&#8220;) Sechs Tage, das ist allgemein bekannt, hat Gott gebraucht, um die Welt zu erschaffen. Bevor Er am siebten Tag ausruhte, übergab Er dem Menschen die Erde mit [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=reisereportagen.wordpress.com&amp;blog=7057200&amp;post=99&amp;subd=reisereportagen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><strong>Redakteur Stefan Teplan und Fotograf Jan Greune erforschten die Kunstwelt im ersten deutschen Center-Parc</strong></p>
<p style="text-align:center;"><em>(Erstveröffentlichung im Magazin WELTBILD Nr. 11, 1999 unter dem Titel: &#8222;Alles unter einem Dach&#8220;)</em></p>
<div id="attachment_100" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/aufmacher-ausriss-aus-weltbild-nr-11-1999.jpg"><img class="size-medium wp-image-100" title="Aufmacher - Ausriss aus Weltbild Nr. 11, 1999" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/aufmacher-ausriss-aus-weltbild-nr-11-1999.jpg?w=300&#038;h=232" alt="" width="300" height="232" /></a><p class="wp-caption-text">Alles unter einer Kuppel - Ausriss aus Weltbild Nr. 11, 1999</p></div>
<p>Sechs Tage, das ist allgemein bekannt, hat Gott gebraucht, um die Welt zu erschaffen. Bevor Er am siebten Tag ausruhte, übergab Er dem Menschen die Erde mit zwei entscheidenden Aufträgen: „Seid fruchtbar und mehret euch.“ Und: „“Machet euch die Erde untertan.“ Was den ersten Teil der Pflichterfüllungen betrifft, fehlt es an mangelndem Eifer nicht. Das Unterwerfen der Erde fällt ein bisschen schwerer. Jahrtausende vergingen, bis es jetzt, kurz vor der Milleniumswende, endlich gelungen ist, die Natur schöpfungsgerecht zu beherrschen. So, dass die dem Menschen zur Freude und zum Nutzen dient. Ohne sie zu verseuchen und zu verstrahlen, im Gegenteil: Sie wird bewahrt und geschützt, denn sie wird dabei gar nicht benützt.</p>
<p>Gelungen ist es in Europa, und dort, mit wachsendem Erfolg, genau 13mal. So viele Center Parcs stehen mittlerweile in den Niederlanden, in England, Frankreich, Belgien und – erst einmal vertreten – in Deutschland. Center Parcs sind beherrschte Natur par excellence, perfekt gebaute Erholungsreservate, vollklimatisierte Paradiese, in denen die Luft das ganze Jahr über so konstant temperiert und rein ist wie das Wasser. Paradiese, in denen – mögen drumherum auch gewöhnliche Wacholdersträucher und Kiefernwälder wuchern – ganzjährige Lianen und Palmen, Bambuspflanzen und meterhohe Ficusbäume gedeihen. Paradiese, wo Flamingos graziös an Bachläufen stehen, in deren klarem, unbelastetem Wasser bunte Fische und Schildkröten sich so freudig tummeln wie die in bunte Badekleidung gehüllten Menschen in dem gechlorten Schwimmbecken. Endlich: Die Rückkehr ins Paradies ist möglich geworden, und aus diesem Paradies wird keiner vertrieben, solange er nur zahlen kann.</p>
<div id="attachment_101" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/interview-ausriss-aus-weltbild-nr-11-1999.jpg"><img class="size-medium wp-image-101" title="Interview - Ausriss aus Weltbild Nr. 11, 1999" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/interview-ausriss-aus-weltbild-nr-11-1999.jpg?w=300&#038;h=193" alt="Center-Parc-Chef Claus Horstmann (l.) im Gespräch mit Stefan Teplan -  Ausriss aus Weltbild Nr. 11, 1999" width="300" height="193" /></a><p class="wp-caption-text">Claus Horstmann, Manager des Center Parc, im Gespräch mit Autor Stefan Teplan - Ausriss aus Weltbild Nr. 11, 1999</p></div>
<p>Hand aufs Herz: Für die Erschaffung einer perfekten Welt muss man sich etwas mehr Zeit nehmen als sechs Tage. Sieben Jahre – ohne vierjährigen Baustopp wäre es schneller gegangen- dauerte die Fertigstellung des deutschen Garten Eden bei Bispingen in der Lüneburger Heide. Dort, umgeben von schadstoffanfälliger Natur pur, steht die Paradies-Kunstwelt, die allen Widrigkeiten und Elementen trotz Temperaturschwankungen, Wind, Regen, Hagel und Schnee beeinträchtigen in der Außenwelt das Urlaubsgefühl erheblich. Kein Problem im Center Parc, hier ist alles überdacht. Über den kompletten Schwimmbadbereich „Aquamundo“ samt Grotte, Lagune, Wasserfall, Whirlpool, Wildwasserbahn, diversen Rutschen, tropischer Bar und exotischen Pflanzen ist eine donnerwetterfeste, 18,5 Meter hohe Kuppel aus Sicherheitsglas gestülpt. Gewaltige halbröhren aus Glas umgeben den übrigen Erholungsbereich, die „Plaza“ mit ihren drei Restaurants, Kinderspielplatz, dem Supermarkt, der tennishalle, der Disco und der Bowlingbahn, und das „Aquasana“ mit seinen diversen saunen, Solarien, Wellness- und Beautykammern. Den Widrigkeiten der freien Natur aussetzen muss sich nur, wer diesen Schutzbereich verlässt, um – wenigstens zum Schlafen muss es sein – in das Center Parc Hotel oder in sein Ferienhaus zu wechseln. 611 Bungalows gruppieren sich um die vollklimatisierte Urlaubskapsel, die – exotisch außen wie innen – wie eine verirrte Raumstation aus dem „Krieg der Sterne“, wie ein von einem gläsernen Ufo verschlucktes Hawaii über die Kiefern der Heidelandschaft ragt.</p>
<p>Wer so einen Bungalow gemietet hat, kann die gläserne Traumstation natürlich jederzeit betreten. Aber vor acht Uhr morgens, wenn sich – die einzige Schlange im Paradies – die Frühstücker am Buffet in der Plaza entlang winden, kommt kaum jemand. Dabei tun sich auch hier Frühaufstehern Dinge auf, die anderen vorenthalten bleiben. Ab 5.30 Uhr ziehen sich, wo tagsüber lachende Kinder über gepflegten Naturstein huschen, gelbe und rote Schläuche durch die Plaza. Sie entspringen einem verchromten Metallrohr, das plötzlich zwischen dem behutsam zur Seite geschobenen Grün der Palmlilien sichtbar wird: Thorsten Dickmann, der Gärtner, wässert die Pflanzen.</p>
<p>As optimale Klima für die tropische Flora, erklärt er fachmännisch, herrsche aber nicht in der Plaza, sondern drüben im Aquamundo. Im Winter, im Sommer, bei Tag und bei Nacht, bei Regen und Sturm: konstant hat es dort 29 Grad Celsius bei 45 Prozent Luftfeuchtigkeit. Ein dichtes Geflecht aus Palmen- und Bambusgewächsen streckt sich der Kuppel entgegen, an deren Spitze, unterhalb eines Metall-Tretgitters für Techniker, die Überlebensgaranten der exotischen Pflanzenwelt hängen: vier klobige, weiße Metallkästen, topmoderne Klimamacher, die wie der Ventilator in Rick’s Café aus „Casablanca“ über den Gästen kreisen.</p>
<p>Noch kreisen sie über dem Putzpersonal, das es jetzt regnen lässt: Fußpilztötende, desinfizierende Reinmacher nieseln aus großen Sprühstrahlern auf die felsenartigen Steinplatten. Gegen zehn Uhr stürmen Hunderte in die Südsee-Kuppel. „Kannst du glauben, dass hier täglich über 3000 Leutesind?“, raunt jemand im Liegestuhl seinem Nachbarn zu. „Nö“, gibt der zurück. Die 14jährige Madleen Willud kann das, sie ist schließlich auch schon zum dritten Mal hier. Die Leute, weiß sie, verteilen sich: im Schwimmbad oder der tennishalle, im Computer-Spielraum, dem Supermarkt oder in den Cafés. „Meine Eltern sind noch in unserem Bungalow. Ihre dreijährige Schwester Sara auch. Ihr Bruder Philipp – der ist schon 15v – raucht noch eine Zigarette in der Plaza. Und Bruder Felix (10) turnt gerade im wasser herum.</p>
<p>Madleen bleibt bis zum Abend im Aquamundo. Dort gibt es genug zu erkunden. Über dem Whirlpool etwa das romantische Bambushaus, das zur Hälfte zwei dicke, an der Außenwand der Glaskuppel klebende Frischluftzufuhr-Röhren versteckt. Oder die kleine Palmeninsel in der Lagune, die durch eine schmale abenteuerliche Grotte auf dem Seeweg oder eine ebenso abenteuerlich anmutende Hängebrücke auf dem Landweg zu erreichen ist. Da werden Robinson-Crusoe-Gefühle wach. Nur wenige Anzeichen deuten darauf hin, dass das Eiland bereits von anderen Wesen betreten worden sein muss. Nichtraucher-Schilder hängen im Urwald. Weiße Plastikliegestühle stehen bereit. An zwei bambuspfählen sind – für nächtliche Inselgänge, für dunkle Winterabende? – je zwei große Studioleuchten angebracht. Der Weg zurück zur Grotte führt vorbei an einem blechernen Abfallkorb.</p>
<p>Die Grotte ist am schönsten, wenn sich der Abend sanft herabsenkt auf die Kuppel. Im gemischten Licht des Halbdunkels, das von außen durch die Glaswände dringt, und der Scheinwerfer, die von innen die Wände gedimmt beleuchten, umarmt sich verliebt ein junges Paar, bis zu den Schultern im Wasser stehend. „So“, flüsterte ergriffen eine heimliche Beobachterin, „stellt man sich Adam und Eva im Paradies vor.“ In Wirklichkeit sind es Dirk Dörfer aus Duisburg und seine Freundin Stephanie.</p>
<div id="attachment_102" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/ausriss-aus-weltbild-dirk-und-stephanie-nr-11-1999.jpg"><img class="size-medium wp-image-102" title="Ausriss aus Weltbild Dirk und Stephanie - Nr. 11, 1999" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/ausriss-aus-weltbild-dirk-und-stephanie-nr-11-1999.jpg?w=300&#038;h=225" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Heißes Glück und kalte Dusche: Dirk und Stephanie in der Liebesgrotte, Madleen und Philipp (kleines Bild, o.l.) am Wasserfall - Ausriss aus Weltbild Nr. 11, 1999</p></div>
<p>An der Hawaii-Bar in der Tropical-Corner schlürfen die beiden noch einen letzten Drink, bevor das Aquamundo schließt und nachts dort, wie von Geisterhand getrieben, der gelbe Putzroboter mit seinen Saugrüsseln und Sensoren durch die Schwimmbecken fährt. Dirk und Stephanie wandern händchenhaltend zur Plaza. Vielleicht noch ein Glas Wein, eine Lachs-Lasagne im Market-Café oder auf der kerzenbeleuchteten Terrasse des Restaurants Serafin?</p>
<p>Die Flamingos schnarren sich noch etwas zu, stecken dann ihre Köpfe ins Gefieder undschlafen, auf einem Bein stehend. Draußen geht die Sonne unter, drinnen das Studiolicht an. Durch das Blattwerk der Lianen und der Phoenixpalmen, deren Zweige weit über das Wasser des Plaza-Teichs reichen, klingt Musik der Live-Band: „When The Night Comes“. Dirk erzählt vom letzten Tauchurlaub am Great Barrier Riff. Aber wozu von Australien schwärmen? Wozu von Hawaii? Hier hat man alles unter einer Kuppel. Aloha Bispingen</p>
<p style="text-align:right;"><em>© Text Stefan Teplan</em></p>
<p style="text-align:right;"><em> </em></p>
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		<title>Einmal über den großen Teich</title>
		<link>http://reisereportagen.wordpress.com/2009/11/27/einmal-uber-den-grosen-teich/</link>
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		<pubDate>Fri, 27 Nov 2009 14:15:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Teplan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Individualurlaub]]></category>
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		<category><![CDATA[Mecklenburg-Vorpommern]]></category>
		<category><![CDATA[Natur]]></category>
		<category><![CDATA[Reise]]></category>
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		<description><![CDATA[Redakteur Stefan Teplan testete mit seiner Familie  für WELTBILD Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern (Erstveröffentlichung im Magazin WELTBILD, Nr. 13/1999) Wasser soweit das Auge reicht. Endlose Wälder rund um tausend Seen. Schilfbuchten, in denen Haubentaucher und Blesshühner brüten, zwei Meter hohes Ried, aus dem abends das Muhen der Moorochsen und das meckernde Rufen von Bekassinen klingt. Gelegentlich [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=reisereportagen.wordpress.com&amp;blog=7057200&amp;post=88&amp;subd=reisereportagen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><strong>Redakteur Stefan Teplan testete mit seiner Familie  für WELTBILD Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern</strong></p>
<p style="text-align:center;"><em>(Erstveröffentlichung im Magazin WELTBILD, Nr. 13/1999)</em></p>
<div id="attachment_89" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/familie-teplan-inmecklenburg-vorpommern-ausriss-aus-weltbild-nr-13-1999.jpg"><img class="size-medium wp-image-89  " title="Familie Teplan in Mecklenburg-Vorpommern. Ausriss aus Weltbild Nr. 13, 1999" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/familie-teplan-inmecklenburg-vorpommern-ausriss-aus-weltbild-nr-13-1999.jpg?w=300&#038;h=221" alt="" width="300" height="221" /></a><p class="wp-caption-text">Aufmacherseite der Erstveröffentlichung - Familie Teplan paddelt im Kanu über den &quot;großen Teich.&quot; Ausriss aus WELTBILD Nr. 13, 1999</p></div>
<p>Wasser soweit das Auge reicht. Endlose Wälder rund um tausend Seen. Schilfbuchten, in denen Haubentaucher und Blesshühner brüten, zwei Meter hohes Ried, aus dem abends das Muhen der Moorochsen und das meckernde Rufen von Bekassinen klingt. Gelegentlich sehen die drei Kanufahrer, die wie verloren in der Weite des Sees und der Wildnis wirken, an den Ufern Fischreiher, unbeweglich auf beute lauernd, stockstarr, auf hohen Beinen wie auf Stelzen stehend und kaum zu unterscheiden von den Schilfrohren. Erst als das Kanu bedrohlich nahe heran treibt, fliegt die perfekte Tarnung auf: Mit gewaltigem Flügelschlag erheben sich die Vögel – bei über zwei Metern Spannweite jetzt unübersehbar &#8211; , flattern schräg aufwärts und verschwinden hinter dem im Wind schaukelnden Röhricht und den tanzenden Wipfeln der Uferweiden.</p>
<p>Daniel, der immer vorne am Bug sitzt, bringt seine frisch erworbenen ornithologischen Kenntnisse ins Spiel. „Man nennt sie“, belehrt der Achtjährige seine Eltern, „auch Graureiher, weil sie nämlich so graue Federn habe.“ Renate, seine Mutter, mahnt, dass er bald selber in die Federn müsse – die letzten Strahlen der Abendsonne schimmern schon dunkelorange auf dem Wasser. Vater Stefan steuert das lautlos dahingleitende Kanu ans Ufer. 20 Minuten später schläft Daniel, in seinen Schlafsack gekuschelt, unter freiem Himmel, während Renate und Stefan um das prasselnde Feuer sitzen, über dem ein Topf dampfendes Teewasser hängt. „Warum“, fragt Renate, „sind wir eigentlich jedes Jahr nach Schweden gefahren?“ Stefan zuckt die Schultern. „Nach Kanada jedenfalls müssen wir jetzt nicht mehr.“</p>
<div id="attachment_90" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/familie-teplan-bei-kanutour.jpg"><img class="size-medium wp-image-90" title="Familie Teplan bei Kanutour" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/familie-teplan-bei-kanutour.jpg?w=300&#038;h=255" alt="" width="300" height="255" /></a><p class="wp-caption-text">Daniel, Renate und Stefan Teplan in Mecklenburg-Vorpommern. Ausriss aus Weltbild Nr. 13, 1999</p></div>
<p>Erst zehn Jahre nach dem Mauerfall haben Renate und Stefan aus München entdeckt, dass sie Schweden und Kanada im eigenen Land finden können. Mecklenburg-Vorpommern, das am dünnsten besiedelte und wildnisreichste Bundesland, avanciert mehr und mehr zum Mekka für Individualurlauber, die Abenteuer und Natur pur suchen. Seine über 1000, vielfach durch Kanäle verbundenen Seen machen es zum Paradies für Bootsurlauber, seine weitflächig geschützten Wälder, Moore, Heiden und Sümpfe gehören zu den größten Naturschätzen der Republik. Schätze, in denen es Pflanzen- und Tierarten gibt, die in den anderen Bundesländern selten geworden oder sogar ausgestorben sind. „Allein im Naturpark Feldberg“, erklärt Naturparkwächter Toni Czarska, „leben rund 30 Fischadler- und zehn Seeadlerpaare, dazu mehrere Schreiadler und der sehr seltene Schwarzstorch.“</p>
<p>Man muss aber gar nicht erst in den Naturpark gehen. Czarska hat den Freilandzoo  oft direkt vor der Haustür. Der erste Stock seines Hauses ersetzt Naturfreunden schon mal den Hochsitz. „Wenn die Eicheln von den Bäumen vor dem Haus fallen, kommt viel Damwild zum Äsen her. Zuletzt habe ich rund 30 Stück gesehen, keine 20 Meter vor unserer Terrasse. Und gehen Sie mal ein paar Minuten rüber zum Wald. Da finden Sie nicht nur den ,Märchensee‘, wie wir ihn nennen, mit einem Wasser so kristallklar, dass Sie jedes Steinchen auf dem Grund zählen können. Mit etwas Glück entdecken Sie auf dem Weg auch das Kranichpaar, das hier in der Nähe brütet.“ Dutzende von Kranichen, verspricht Czarska, könne man von einem beobachtungsstand im Müritz-Nationalpark sehen. „Im Herbst sogar Zehntausende, wenn die Zugvögel aus Skandinavien auf ihrem Weg in den Süden hier Rast machen.“</p>
<div id="attachment_91" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/toni-czarska-mit-stefan-teplan.jpg"><img class="size-medium wp-image-91" title="Toni Czarska mit Stefan Teplan" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/toni-czarska-mit-stefan-teplan.jpg?w=300&#038;h=229" alt="" width="300" height="229" /></a><p class="wp-caption-text">Toni Czarska (l.) und Stefan Teplan hängen frisch gefangene Maränen zum Grillen an den Spieß. Ausriss aus Weltbild Nr. 13, 1999</p></div>
<p>Olaf Klein aus Berlin kommt nicht wegen der Kraniche. Er verbringt fast jedes Wochenende an der Müritz &#8211; mit 117 Quadratkilometern Norddeutschlands größter Binnensee – seit er sich einen Katamaran zugelegt hat. Am Berliner Wannsee ist ihm „zu viel Betrieb auf dem Wasser. Und so ganz firm bin ich am Katamaran noch nicht. Aber hier, auf diesem Riesensee, kann ich ungestört manövrieren.“</p>
<p>So lieben es die Kunden von Monika Strauß, die bei Boek, am Ostufer der Müritz, eine Surf- und Bootsschule betreibt. Sie ist „schon öfter gefragt worden, ob etwas mit dem See nicht stimme. Da lagen am Abend vorher noch 150 Boote, und am nächsten Tag ist nichts mehr von ihnen zu sehen. Aber der See ist so groß, es verteilt sich alles so wunderbar, dass sich jeder wie alleine fühlen kann.“</p>
<p>Den beiden Ehepaaren Koch und Arnfeld aus Rostock ist selbst die große Müritz noch zu klein. Sie mieten jetzt schon das dritte Jahr in Boek ein Hausboot und erkunden immer wieder ein neues Stück der Seenplatte. „Um das alles zu sehen“, sagt Hans-Jürgen Koch, während er Proviant für zehn Tage in der Kombüse verstaut, „reicht ein Urlaub nicht aus. Auch nicht zwei oder drei. In diesem Jahr fahren wir über die Müritz auf den Kölpin- und den Fleesensee. Später wollen wir noch auf den Plauer See und die Elbe abwärts, falls wir das zeitlich schaffen.“ Hetzen jedenfalls, soviel ist sicher, werden sie nicht. „Das schönste am Hausbooturlaub ist doch, dass man oben an Deck liegen, die traumhafte Natur hier bewundern und so richtig faulenzen kann“, sagt Erwin Arnfeld. Hans-Jürgen sieht das nicht ganz so. „Ich bin der Kapitän. Und bei den Schleusen habe ich ganz schön zu tun.“ Da staut es sich ausnahmsweise selbst im leeren, stillen Mecklenburg. „Manchmal sind die Tore offen, dann kann man gleich reinfahren. Aber oft muss man erst den Gegenverkehr passieren lassen, und das kann bis zu einer Stunde dauern.“ In der Schleuse wird das Boot dann, je nach Höhenunterschied zwischen den Gewässern, gehoben oder gesenkt. „Beim ersten Mal“, gibt Hans-Jürgen offen zu, „habe ich mich da ganz schön dumm angestellt. Aber inzwischen kann ich’s.“</p>
<div id="attachment_92" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/ausriss-aus-weltbild-13-1999.jpg"><img class="size-medium wp-image-92" title="Ausriss aus Weltbild 13, 1999" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/ausriss-aus-weltbild-13-1999.jpg?w=300&#038;h=225" alt="Eindrücke aus &quot;Meck-Pomm&quot; - Ausriss aus Weltbild Nr. 13, 1999" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Eindrücke aus &quot;Meck-Pomm&quot;: Ausriss aus Weltbild Nr. 13, 1999</p></div>
<p>Bei weitem nicht alle Seen der Mecklenburgischen Seenplatte sind für Motorboote zugelassen. „Gott sei Dank“, sagt der begeisterte Kajakfahrer Jürgen Werner. „Sonst wäre ich nicht mehr hier.“ Der Hamburger kommt nach Mecklenburg der Natur und der Stille wegen. Tagelang ist Jürgen mit fünf Freunden nur auf dem Wasser unterwegs, paddelt von morgens zehn Uhr bis zum frühen Abend von See zu See, lässt sich dazwischen, in der „Mittagspause“, auf dem Wasser treiben, sieht verträumt in den Himmel, ob nicht ein Seeadler oder eine Gabelweihe da oben kreist. Das Fernglas liegt immer griffbereit im Kajak. „Fischadler, Seeadler und Kraniche“, schwärmt er, „habe ich vom Boot aus eigentlich jeden Tag beobachten können. Gestern sogar einen Eisvogel. Viele Dinge sieht man auch nur vom Wasser aus. Oder man sieht sie einfach anders, und das fasziniert mich an dieser Art von Urlaub.“</p>
<p>Abenteuer-Ferien in unberührter Natur bedeuten für Jürgen Werner aber auch Verantwortung. „Wild campen, wild Feuer machen, ist bis auf bestimmte Stellen verboten. Ich halte mich auch daran. Manch andere nicht. Wenn man etwas für den Naturschutz tun will, sollte man auf Campingplätze gehen. Die Wildnis soll Wildnis bleiben. Es gibt besonders geschützte Gebiete, die tabu bleiben müssen. Auch Seerosen-Gebiete und Schilfgürtel sollte man wegen der dort brütenden Vogelarten meiden.“</p>
<p>Spezielle Feuerstellen zum Grillen und Campingplätze sind über die Wasser-Wander-Routen auf der Seenplatte reichlich verteilt. Wer das Land nicht nur zu Wasser erkunden will, kann sich vielerorts Fahrräder ausleihen. Renate, Daniel und Stefan haben am Ostufer der Müritz eine Radtour gemacht – durch stille Wälder, vorbei an Sümpfen, aus denen gelbe Schwertlilien ragen, hin zum Janker See bis zum Ort Federow, wo sich auf mehreren Hochspannungsmasten Fischadlerpaare ihre Horste eingerichtet haben. Klar, dass da auch Vogelfreund Daniel unter Hochspannung steht.</p>
<p>Den ornithologischen Erkundungen des Achtjährigen sind freilich auch dann keine Grenzen gesetzt, wenn er nicht mit seinen Eltern durch die Natur streift. Ganz bequemen Naturfreunden bringen die Mecklenburger ihre Vogelwelt per Technik ins Haus. In Federow kann man die Adler auf einem Monitor beobachten – auf ihre Horste ist ständig ein Kamera-Auge gerichtet. Das Beispiel hat Schule gemacht. Bäckermeister Gerhard Sump ließ kürzlich vor einem Storchenhorst auf seinem Grundstück in Altentreptow ebenfalls eine Videokamera installieren. Die gestochen scharfen Bilder werden auf einen Fernsehschirm im Café der Bäckerei übertragen. Kindergarten- und Schülergruppen scharen sich um den Monitor, Kunden und Cafébesucher, freut sich Sump, bleiben länger im Laden. Über solchen Geschäftssinn würde Bismarck wohl staunen. Er hatte behauptet, in Mecklenburg „passieren alle Dinge 100 Jahre später.“ Aber irgendwann muss ja auch seine Bemerkung von vorgestern sein.</p>
<p style="text-align:right;"><em>© Stefan Teplan</em></p>
<p style="text-align:right;"><em>Die Fotos machte Chris Blecher</em></p>
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			<media:title type="html">Familie Teplan bei Kanutour</media:title>
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			<media:title type="html">Toni Czarska mit Stefan Teplan</media:title>
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		<title>Durch den Sumpf Eden</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Nov 2009 09:37:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Teplan</dc:creator>
				<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Everglades]]></category>
		<category><![CDATA[Florida]]></category>
		<category><![CDATA[Marjory Stoneman Douglas]]></category>
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		<description><![CDATA[Stefan Teplan über die Everglades &#8211; das größte Sumpfgebiet der Erde (Erstveröffentlichung im Magazin WELTBILD, Nr. 1, 1999) „Auf der ganzen Welt gibt es keine zweiten Everglades, sie gehörten immer schon zu den einzigartigen Landschaften dieser Erde, abgelegen und niemals ganz erforscht. Kein anderer Platz gleicht ihnen: ihrer glitzernden Weite, weiter noch als der Horizont, [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=reisereportagen.wordpress.com&amp;blog=7057200&amp;post=80&amp;subd=reisereportagen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><strong>Stefan Teplan über die Everglades &#8211; das größte Sumpfgebiet der Erde</strong></p>
<p style="text-align:center;"><em>(Erstveröffentlichung im Magazin WELTBILD, Nr. 1, 1999)</em></p>
<div id="attachment_81" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/ausriss-aus-weltbild-nr-1-1999.jpg"><img class="size-medium wp-image-81" title="Ausriss aus Weltbild Nr. 1, 1999" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/ausriss-aus-weltbild-nr-1-1999.jpg?w=300&#038;h=189" alt="" width="300" height="189" /></a><p class="wp-caption-text">Aufmacher-Doppelseite der Erstveröffentlichung - Ausriss aus Magazin WELTBILD Nr. 1, 1999</p></div>
<p>„Auf der ganzen Welt gibt es keine zweiten Everglades, sie gehörten immer schon zu den einzigartigen Landschaften dieser Erde, abgelegen und niemals ganz erforscht. Kein anderer Platz gleicht ihnen: ihrer glitzernden Weite, weiter noch als der Horizont, ihrem Geschmack nach Salz und ihrem süßen Wind unter einem blauen Himmel.“ Die Autorin dieser poetischen Zeilen über die Everglades, das mit 50 000 Quadratkilometern größte und zugleich faszinierendste Sumpfgebiet der Erde, war ursprünglich keine Dichterin. Sie ist durch die Everglades dazu geworden. Die Redakteurin Marjory Stoneman Douglas warf, als sie die Sümpfe im Norden Floridas beschreiben sollte, alle journalistische Distanziertheit über Bord und geriet vollends ins Schwärmen: „Die Everglades. Fluss aus Gras“ wurde von der US-Literaturkritik in den höchsten Tönen gepriesen, erlebet unzählige Auflagen und gilt heute noch als <em>das</em> Everglades-Epos schlechthin.</p>
<p>Wie man öder Sümpfe nur schön finden kann? Graues, langweiliges Marschland, bevölkert von giftigen Schlangen und raublüsternen Krokodilen? Vorurteile wie diese hat schnell abgelegt, wer sich auf mehr einlässt als nur eine Stippvisite in einem der Besucherzentren am Rand des Everglade-Nationalparks; wer bereit ist, den Naturschutzpark – der rund ein Siebtel der gesamten Fläche der Everglades ausmacht – von innen zu erleben: zu Fuß auf einem der gut mit Holzplanken ausgelegten Wanderwege, mit dem Fahrrad auf dafür gebauten Straßen oder – und nur so erschließt sich dem Besucher das naturparadies in seiner ganzen Pracht – per Boot auf Touren, die dort von einem Tag bis zu einer Woche möglich sind.</p>
<p>Veranstalter bieten Sumpfdurchquerungen mit propellergetriebenen Airboats an. Naturfreunde, das sei gleich gesagt, kommen dabei nicht auf ihre Kosten. Fahrten mit den lauten propellerbooten sind aus Umweltschutzgründen nur außerhalb des sehenswerten Nationalparks erlaubt. Ihr Lärm stört nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere, die meist das Weite suchen, noch ehe man sich ihnen auf Sichtweite genähert hat. Die Everglades wirklich erfahren kann nur, wer sie mit dem Kanu oder mit dem Hausboot durchquert. Nahezu lautlos tauchen die Paddel in das seichte Flusswasser ein, das das Kanu durch Sumpfzypressen und Kiefernwälder trägt, vorbei an sägegrasbewachsenen, überschwemmten Ebenen und durch regelrechte Tunnels aus Mangroven, schwarze, weiße und rote. Gelbe Schlüsselblumen, rotblühende Bromelien, rosafarbenen „Marshmallow“-Blüten und bunte Orchideen machen dem letzten Skeptiker klar, dass die Everglades alles andere als graues, langweiliges Marschland sind. Stellenweise freilich erschwert die üppig wuchernde Natur auch die Fahrt. Das Gewirr der Stelzwurzeln der roten Mangroven lässt manchmal kaum einen Blick auf eine befahrbare Wasserstraße frei. Nach oben mit dem Paddel auszuholen ist im Mangroventunnel unmöglich, an den Seiten eckt die Bootswand immer wieder an die Wurzeln an, zwischen denen, vorzüglich getarnt, auf Schlammbänken Alligatoren liegen. Durch den starken Tourismus – rund eine Million Besucher locken die Everglades jährlich an – haben viele der Tiere im Nationalpark ihre Furcht vor dem Menschen verloren und lassen sich bei ihrem Sonnenbad selten stören. Nur gelegentlich entziehen sie sich neugierigen Blicken, indem sie von ihren sonnigen Uferbänken ins Wasser flüchten. Angst vor den Reptilien, beruhigt ein Reisebegleiter, sei fehl am Platz. Es ist umgekehrt so, dass die Alligatoren den Menschen fürchten müssen, der sie in den Florida-Sümpfen durch rücksichtlose Jagd stark dezimiert hat. Erst seit die Tiere unter Schutz stehen, nimmt der Bestand der Mississippi-Alligatoren wieder zu. Von der anderen in den Everglades heimischen Krokodilart, dem Amerikanischen Krokodil, existieren dagegen nur mehr 300 Exemplare.</p>
<p>Das Krokodil ist prominentestes, aber durchaus nicht einziges Beispiel einer reichen, faszinierenden Fauna. 350 Vogelarten haben Ornithologen in den Sümpfen Floridas gezählt, darunter seltene Arten wie den Weißkopfseeadler, Schneckenweih und den Waldstorch. Die freilich bekommt man auch im Vogelparadies er Everglades nicht alle Tage zu Gesicht. Dafür wird man mit Blicken auf eine solche Fülle anderer Arten entschädigt, dass sie an dieser Stelle unmöglich alle aufzuzählen sind: Blau-, Silber-, Grau-, Schmuck- und Dreifarbenreiher, Fischader, Rotschulterbussarde, Truthahngeier und die farbenprächtigen Rosalöffler begegnen einem auf Schritt und Tritt. In den Dickichten der Everglades hausen Luchse, Waschbären und Flussotter. Und im flachen Wasser tummeln sich Nagel-Manatis (Seekühe) und viele anderswo seltene Schildkrötenarten.</p>
<p>Paradiesische Zustände? Ja. Noch. Denn die Everglades, fürchten Experten, sind zum Sterben verurteilt. Jahrzehntelang hat der Mensch die Natur dort vergewaltigt – durch Dämme, Kanäle, Trockenlegen. Mehr und mehr Wasser wurde für die Ballungszentren an der Ostküste und die Landwirtschaft abgeleitet. Abwässer und Pestizide belasten das sensible Ökosystem der am Ende der Wasserkette Floridas gelegenen Everglades schwer. Die Millionen Besucher, die der Sumpf Eden anzieht, stören hingegen Umweltschützer nicht. Im Gegenteil: Wenn genug Menschen beginnen, dieses Naturparadies zu lieben, und sich für seinen Schutz zu engagieren, dann, so hoffte die im Mai 1998 verstorbene Marjory Stoneman Douglas, „sind die Everglades vielleicht noch nicht ganz verloren.“</p>
<p>Das hoffen auch die Indianer, die in und von den Sümpfen leben. Während der Seminolenkriege im 19. Jahrhudert haben sich viele Florida-Indianer vor der ihnen drohenden Aussiedlung in die Everglades geflüchtet. Ihren nachfahren kann man heute noch begegnen. Stephen Tiger etwa, Sohn des letzten Häuptlings vom Stamm der Miccosukees, ist heute Public-Relations-Direktor des Indianer-Reservats in den Everglades. Tiger macht auf das Dorf „Miccosukee Village“ aufmerksam, in dem gezeigt wird, wie die Indianer einst von der Jagd im Sumpf lebten. Hier kann man auch Alligator-Vorführungen zusehen. Dass dieses Dorf existiert und die US-Regierung 1962 die Miccosukees als selbständigen Indianerstamm anerkannte, ist ein Verdienst von Tigers Vater. Der bemühte sogar Fidel Castro um Vermittlung. Den Herren in der Regierung, erzählt Tiger in perfektem Deutsch (er war einige Zeit in Stuttgart), „flatterte damals ganz schön das Hemd“.</p>
<p style="text-align:right;"><em>© Stefan Teplan</em></p>
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		<title>Der Schlittenhundkönig von Lappland</title>
		<link>http://reisereportagen.wordpress.com/2009/11/24/der-schlittenhundkonig-von-lappland/</link>
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		<pubDate>Tue, 24 Nov 2009 09:21:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Teplan</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Stefan Teplan und Björn Klauer auf Trekking-Tour durch die arktische Eiswüste: Weiße Wildnis statt grauer Mauern. 50 Huskys statt 100 PS. Polarruhe statt Großstadtlärm. Der Hamburger Björn Klauer machte seine Träume wahr. Jetzt erfüllt er die Träume von anderen &#8211; als Schlittenhundkönig von Lappland (Erstveröffentlichung im Magazin Weltbild, Nr. 2/1999) Hinter seinem Haus, im Vorratsschuppen, [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=reisereportagen.wordpress.com&amp;blog=7057200&amp;post=64&amp;subd=reisereportagen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><strong><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/weltbild-2-99-s-242.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-70" title="Weltbild 2, 99, S. 24" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/weltbild-2-99-s-242.jpg?w=300&#038;h=225" alt="" width="300" height="225" /></a></strong></p>
<p style="text-align:center;"><strong>Stefan Teplan und Björn Klauer </strong><strong>auf Trekking-Tour durch die arktische Eiswüste: </strong><strong>Weiße Wildnis statt grauer Mauern. 50 Huskys statt 100 PS. Polarruhe statt Großstadtlärm. Der Hamburger Björn Klauer machte seine Träume wahr. Jetzt erfüllt er die Träume von anderen &#8211; als Schlittenhundkönig von Lappland</strong></p>
<p style="text-align:center;"><em>(Erstveröffentlichung im Magazin Weltbild, Nr. 2/1999)</em></p>
<div id="attachment_66" class="wp-caption alignleft" style="width: 222px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/weltbild-2-99-s-23.jpg"><img class="size-medium wp-image-66" title="Weltbild 2, 99, S. 23" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/weltbild-2-99-s-23.jpg?w=212&#038;h=300" alt="Ausriss aus Weltbild 2, 99, S. 23" width="212" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Ausriss aus Weltbild 2, 99, S. 23</p></div>
<p>Hinter seinem Haus, im Vorratsschuppen, hängt ein halber Elch. Seit acht Tagen. Wären es acht Wochen, würde auch das Björn Klauer nicht stören. Hier in Innset, weiß der deutsche Aussteiger, wird so schnell nichts schlecht. 250 Kilometer nördlich des Polarkreises, im Herzen Lapplands, am Ende der Welt, da besorgt die Tiefkühlung allein die Natur. Fast das ganze Jahr über. Nicht acht Wochen, nein „acht Monate lang herrscht bei uns strenger Winter“, sagt Klauer. Von Oktober bis Mai bleibt vor seiner Husky-Farm der See gefroren, der Schnee liegen, umgibt sein Blockhaus in der nordischen Wildnis nichts als weiße Wüste. Minustemperaturen von 30 bis 40 Grad sind dann keine Ausnahme, sondern die Regel.</p>
<p>So etwas kennt man aus dem Archipel Gulag. Aber Klauer befindet sich nicht in einem sibirischen Straflager. Er ist freiwillig in arktische Regionen gezogen. Noch mehr: Er genießt es. Der Mann, der in die Kälte kam, sagt unverfroren: „In Deutschland möchte ich nie mehr leben.“ Kein Traumjob, kein Luxusappartement, keine zehn Pferde könnten ihn zurückholen. Den Traumjob hat er schon. Teuren Appartements zieht er einfache Biwakzelte vor. Und was die zehn Pferde betrifft: Aus Innset bringen ihn höchsten s Schlittenhunde weg. Überallhin in die Wildnis. Ein Satz, mit dem ihn einmal das Skandinavien-Magazin Nordis zitierte, sagt alles: „Gebt mir Hunde! Gebt mir Winter! Den Rest könnt ihr behalten!“</p>
<p>Björn Klauer lebt nicht nur<em> in</em>, er lebt <em>von</em> der Kälte. Von seinen 50 Hunden, Mischungen aus Sibirien- und Grönländer-Huskys, die für das Leben in Polarregionen geschaffen sind. Von jenen, die seine Tiere brauchen, um diese Gebiete bereisen zu können – endlose Wüsten aus Eis und Schnee, in denen der Hundeschlitten das einzig nützliche Fortbewegungsmittel ist, weil alle technischen Segnungen des 20. Jahrhunderts hier von der Gewalt der Natur kläglich versagen. Und letztlich von jenen, die für einige Tage „Klauer auf Zeit“ spielen wollen. Die aus dem Alltagstrott der Zivilisation ausbrechen und in der letzten unberührten Wildnis Europas lernen möchten, was sie entweder ver- oder nie gelernt haben: Ursprünglichkeit zu spüren.</p>
<p>Nach 14 Jahren in Norwegen gilt der Deutsche unter den zahlreichen Veranstaltern von Husky-Touren in Skandinavien als besonders profiliert und populär. Für Günter Kläs aus Düsseldorf, einer der vielen Stammgäste, die Winter für Winter mit ihm auf Tour gehen, „ist Björn Klauer der Beste überhaupt. Das findet man sonst nicht, dass einer so professionell von A bis Z alles alleine macht: die Hunde züchten, die Schlitten anfertigen, das Hundegeschirr nähen. Und dann natürlich die absolut sichere Führung der Touren durch die Wildnis. Da weiß man wirklich, dass man in guten Händen ist bei einem, der alles mit Herz macht.“</p>
<div id="attachment_71" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/weltbild-2-99-s-251.jpg"><img class="size-medium wp-image-71 " title="Weltbild 2, 99, S. 25" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/weltbild-2-99-s-251.jpg?w=300&#038;h=206" alt="Unterwegs in weißer Weite. Ausriss aus Weltbild Nr. 2 / 1999" width="300" height="206" /></a><p class="wp-caption-text">Unterwegs in weißer Weite. Ausriss aus Weltbild Nr. 2 / 1999</p></div>
<p>Klauers Herz für ein Leben unter freiem Polarhimmel schlug schon, als er noch im Bürogebäude einer Hamburger Druckerei saß. Feuer gefangen für das Outdoor-Leben hatte er sogar noch früher, zu Schulzeiten. „Ich bin gerade 16 Jahre alt, als ich auf meiner ersten Wanderung entlang der Ostseeküste; von Kiel nach Flensburg, das Leben draußen kennenlerne. Diese Erfahrungen lassen mich nicht mehr los. Ich fühle mich erst richtig wohl, wenn nichts anderes um mich herum ist als die Natur, keine anderen Geräusche zu hören sind als die natürlichen und nichts anderes in der Luft ist als die Gerüche in der Natur. Ein Urlaub im Auto oder am Strand in der Sonne liegend befriedigt mich nicht, hinterlässt in mir nichts“, schreibt Klauer rückblickend in seinem ersten Buch „Norwegen zu Fuß“.</p>
<p>So berauschend solche Erlebnisse wirkten, so frustrierend war jedesmal die Rückkehr. Klauer konnte keinem Urlaub, „diesen maximal vierwöchigen Besuchen der Natur“, mehr etwas abgewinnen. Kaum hatte er „das zivilisierte Leben mehr oder minder abgestreift, dem Regen, Sturm oder der Kälte immer gleichgültiger“ gegenüber gestanden, war die schöne Zeit „auch schon um.“ In ihm wuchs ein Traum: „Einmal über alle vier Jahreszeiten hinweg, irgendwann, irgendwo ohne Unterbrechung die Natur zu erleben.“</p>
<p>Träume wie diese haben viele, den Mut zur Verwirklichung wenige. Aber wer gelernt hat, „die Güter, die die Natur uns anbietet, zu nutzen“, dem sind Existenzängste fremd. Klauer gab seinen Arbeitsplatz auf und durchquerte, ausgestattet nur mit den dürftigsten Habseligkeiten, Norwegen von Oslo bis an die russische Grenze zu Fuß und auf Skiern – in einer elfmonatigen, 3500 Kilometer langen Mammut-Tour. Fast ein Jahr lang lebte er, begleitet von seinem Schlittenhund Keito, nur in und aus der Natur, am „unteren Rand des Existenzminimums“, hat sich dabei aber „im großen und ganzen pudelwohl gefühlt“.</p>
<div id="attachment_73" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/weltbild-2-99-s-271.jpg"><img class="size-medium wp-image-73" title="Weltbild Nr. 2, 1999, S. 27" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/11/weltbild-2-99-s-271.jpg?w=300&#038;h=225" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Ein Privatpilot brachte mit seiner kleinen Beachcraft Stefan Teplan in die nordische Eiswüste. Ausriss aus Weltbild Nr. 2 / 1999</p></div>
<p>Es kam, wie es unausweichlich kommen musste: Nach einem Jahr in skandinavischen naturparadiesen zog ihn nichts mehr nach Deutschland zurück. „Was“, fraget er sich, „hatte ich dort eigentlich noch verloren – und was hatte ich hier nichtalles zu gewinnen?“ Aussteigen war beschlossenen Sache, Klauer ließ sich zunächst im nordnorwegischen Nyksund nieder, seine Freundin und heutige Ehefrau Jutta, mit der er die Söhne Jan und Morten hat, folgte ihm auf abenteuerlichen Wegen nach: Im tiefsten Winter überquerte sie in einem alten VW-Bus den Polarkreis. Heute hat sie eine Stelle als Sozialarbeiterin.</p>
<p>14 Jahre sind seitdem vergangen. Aus dem kleinen Hundegespann, das sich die Familie anfangs nur für Privatzwecke hielt, wurde eine große Husky-Farm mit professionellem Touren-Unternehmen, das Besucher aus ganz Europa anzieht. Und aus dem deutschen Einwanderer, der mit fast nichts in der Tasche kam, wurde der Schlittenhundkönig von Lappland.</p>
<p>Er hat seine Träume wahrgemacht. Jetzt erfüllt er die Träume anderer. Ein, zwei oder drei Wochen lang können seine Gäste mit ihm die nordische Tundra durchqueren, über zugefrorene Seen, über Berge, durch Birkenwälder – jeder mit eigenem Hundegespann. Der Tour voraus geht ein Einweisungstag, in dem Meister Klauer Anfänger in die Künste des Mushing, wie das Schlittenhundfahren im Fachjargon heißt, einweist, den Umgang mit den Huskys lehrt, Maßregeln für das Verhalten bei Schneesturm erteilt. Expeditionsleiter Klauer fährt dann mit dem Gepäckschlitten, auf dem er einen Kompass montiert hat, voraus und steuert in Tagesabständen Übernachtungshütten, auf manchen Routen auch Lappenzelte (Tipis) an. Erschweren schlechte Witterungsbedingungen das Vorwärtskommen, werden Biwakzelte aufgebaut. „Wir machen hier keine Rennen“, erklärt er, „es ist im Grunde völlig gleichgültig, ob wir eine Stunde früher oder später ankommen.“ Stress und deutsche Hektik muss man hier als erstes ablegen.</p>
<p>Abends am Lagerfeuer, wenn Klauer das zu Hause vorbereitete und dann tiefgefrorene essen aufsetzt, zeigt sich nebenher das erzählerische Talent des deutschen Jack London, der auch den abenteuerlichen Expeditionsbericht „Mit Huskys durch Lappland“ geschrieben hat. Noch spannender freilich wirken diese Geschichten, wenn man selbst mitten drin im Abenteuer steckt und Klauer persönlich zuhören kann, während er heißen Tee oder Grog vor dem Zelt schlürft, neben sich die an einem Stahlseil für die Nacht festgeketteten Huskys, die sich gerade zum Schlafen in den Schnee einrollen, um sich nichts al weite, weiße nordische Wildnis.</p>
<p>Spätestens da werden seine Gäste von einer Krankheit erfasst, gegen die keine Impfung mehr hilft: Klauer hat sie mit dem, wie er es nennt, „Schlittenhund-Virus“ infiziert. Und er warnt aus Erfahrung: „Wer davon erwischt wird, dem geht es wie mir – dann werden auch zwei Wochen Natur pur irgendwann nicht mehr genug sein.“</p>
<p style="text-align:right;"><em>© Stefan Teplan</em></p>
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		<title>Hahnenfieber</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Apr 2009 12:57:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Teplan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Abenteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Birkhahn]]></category>
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		<category><![CDATA[Jagd]]></category>
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		<category><![CDATA[Reise]]></category>
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		<description><![CDATA[Greenhorns auf Birkhahnjagd (Erstveröffentlichung im Magazin Weltbild, Nr. 4/2000)   Kitschiger gehts nicht. Ganz oben, auf den noch schneebedeckten Gipfeln der Zweitausender des Tiroler Rofangebirges, taucht das Abendlicht die weißen Spitzen in ein orange-gelb-rötliches Farbenmeer. Ganz unten, im Tal, das die Massive des Rofan von denen des Karwendel trennt, spiegelt der Achsensee eben dieses Farbenmeer [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=reisereportagen.wordpress.com&amp;blog=7057200&amp;post=49&amp;subd=reisereportagen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><strong>Greenhorns auf Birkhahnjagd</strong></p>
<p style="text-align:center;"><em>(Erstveröffentlichung im Magazin Weltbild, Nr. 4/2000)</em></p>
<div id="attachment_84" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/04/img_3185.jpg"><img class="size-medium wp-image-84" title="Weltbild 5/2000" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/04/img_3185.jpg?w=300&#038;h=206" alt="" width="300" height="206" /></a><p class="wp-caption-text">Ausriss aus der Erstveröffentlichung in Magazin WELTBILD Nr. 5/2000</p></div>
<p><em> </em></p>
<p>Kitschiger gehts nicht. Ganz oben, auf den noch schneebedeckten Gipfeln der Zweitausender des Tiroler Rofangebirges, taucht das Abendlicht die weißen Spitzen in ein orange-gelb-rötliches Farbenmeer. Ganz unten, im Tal, das die Massive des Rofan von denen des Karwendel trennt, spiegelt der Achsensee eben dieses Farbenmeer auf seiner leblos-stillen Oberfläche wider. Dazwischen, auf 1700 Meter Höhe, steht inmitten einsamer Bergwildnis eine 400 Jahre alte Jagdhütte.</p>
<p>Darin kniet die junge Sennerin Renate vor dem offenen Feuer und stampft in einer gusseisernen Pfanne Teig zu Hüttenschmarrn, den sie über den Flammen brät. Für ihre Gäste oder &#8211; wie sie, waschecht tirolerisch sagt: „Fürr de Gäääscht.“ Im Nebenraum zieht, wie um das Ganghofer-Idyll abzurunden, der alte Bergbauer Hans vor einer mit Gamskrucken, Rehgehörnen und Hirschgeweihen übersäten Holzwand gemütlich an seiner langen Alpenpfeife.</p>
<p>Nur wir &#8211; die Gäääscht &#8211; wirken als Stilbruch in dieser Heimatroman-Szenerie. Weder mit Lederhosen noch Lodenjoppen bekleidet, sitzen wir, blass und stadtgestresst, dem wettergebräunten und ländlich-stoischen Hans gegenüber. Unsere an die Holzwand gelehnten Kameras, Belichtungsmesser und Teleobjektive zerstören das archaische Ambiente brutal. Rita, Günther, Bernd, Thomas, Stefan und ich sind Jäger. Kamerajäger auf Safari am Achensee. Drei Tage lang dürfen wir Greenhorns uns fühlen wie Grünröcke: Wir sind gekommen, um das grandiose Naturschauspiel der Birkhahnbalz zu erleben.</p>
<div id="attachment_83" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/04/ausriss-aus-weltbild-nr-5-2000-stefan-teplan.jpg"><img class="size-medium wp-image-83" title="Ausriss aus Weltbild Nr. 5, 2000, Stefan Teplan" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/04/ausriss-aus-weltbild-nr-5-2000-stefan-teplan.jpg?w=300&#038;h=218" alt="" width="300" height="218" /></a><p class="wp-caption-text">Autor Stefan Teplan und andere Kamerajäger in der Sennhütte - Ausriss aus WELTBILD Nr. 5, 2000</p></div>
<p>Mit von der Partie sind Bernhard Grdseloff, Gründer des Reiseunternehmens „Wildlife Expeditions“, und seine Rangerin, die junge Biologin Lydia Bongartz, Belgierin und Wahl-Österreicherin, die uns, wie sie verspricht, noch in der gleichen Nacht zur Balz führen wird.</p>
<p>Richtig gehört: in der Nacht! Schließlich ist so eine Pirsch nicht zu vergleichen mit einem netten Spaziergang am helllichten Tag, bei dem zufällig mal ein Hase aus dem Klee oder ein Rehbockkopf aus dem Tannengrün lugt. So ein Birkhahn muss erkämpft werden, erpirscht, überlistet. Seine Wachsamkeit ist sprichwörtlich: Er hat, sagen die Jäger, an jeder Feder ein Auge. Daher muss man mindestens eine Stunde vor Morgengrauen gut getarnt auf dem Platz liegen, an dem mit dem ersten Dämmerlicht die Balz &#8211; das Liebeswerben und Kämpfen der Hähne um die Henne &#8211; beginnt.</p>
<p>Wer dabei sein möchte, muss also früh aufstehen. „Was genau heißt früh?“, frage ich. „3.15 Uhr“, antwortet Lydia. „Da können wir gleich durchmachen“, meint Hobby-Fotograf Günther, hellwach geworden durch Renates plötzliche Nähe. Die Sennerin hat auf der Bank neben ihm Platz genommen und Günther eröffnet Stunden vor den Birkhähnen selbst schon mal die Balz, bis Renate mit einem einzigen Satz seine wortreichen Bemühungen abschneidet: „Hunde, die bellen, beißen nicht.“</p>
<p>Kälte beißt uns wenig später ins Gesicht, als wir nach reichlichem Enziangenuss und ärmlichen zwei Stunden Schlaf um halb vier Uhr morgens vor der Hütte stehen und den Anweisungen Lydias lauschen: absolute Stille auf dem Anmarsch zum Balzplatz. Und dort natürlich erst recht! Wir müssen uns darauf einstellen, mehrere Stunden regungslos auf dem gefrorenen Boden zu kauern, sichtgeschützt hinter einem Erdhügel.</p>
<p>Im Gänsemarsch trotten wir hinter Lydia her, mit Taschenlampen den schmalen Bergpfad ableuchtend. Irgendjemand flüstert vor mir verbotenerweise, bis ihn ein energisches Zischen unterbricht. Eigentlich wäre es eine herrliche Bergnacht mit klarem Sternenhimmel. Aber der eisige Ostwind verhindert diesmal das Aufkommen romantischer Gefühle.</p>
<p>Ich bin eindeutig falsch gekleidet. Was nützt in dieser Nacht die Edel-Jeans, wo erstens niemand sie sieht und zweitens die Kaltluft durchs feine Gewebe bläst?</p>
<p>Am Balzplatz, 200 Höhenmeter weiter oben, liegt noch Schnee. Wir kauern uns auf einen Erdhügel, frieren, das Gesicht in die verschränkten Arme vergraben, eine halbe Stunde lang, bis wir endlich wenigstens etwas von der Landschaft sehen. Im ersten Morgenlicht nimmt, was zunächst nur als Hell-Dunkel-Kontrast sichtbar ist, mehr und mehr Konturen an. Vor uns liegt eine schneebedeckte Mulde &#8211; der Balzplatz! Rechts reckt sich ein Lärchenwald den Bergkamm empor &#8211; aus ihm sollen die Birkhähne kommen. Wer den Kopf nach links hinten dreht, hat den schönsten Blick: Kilometerweit gibt das Gelände den Blick auf den Südhang frei. Nur noch an wenigen Stellen unterbrechen weiße Flecken das Grün der Fichten, Zirben, Zwergwachholderbüsche und Bergwiesen. Einige Alpendohlen kreisen &#8211; erstes Lebenszeichen der erwachenden Natur. Rund 100 Meter vor uns fliegt ein Bergpieper hoch, singt seine helle Melodie, sinkt steil ab und fliegt wieder singend hoch. Er bleibt eine Stunde lang die einzige Naturattraktion. Nur einmal dringt aus den Wäldern von unten das laute, klagend klingende Kii-jäääääh eines Schwarzspechts zu uns hoch.</p>
<p>Eisiger Wind. Eisiges Schweigen. Verständigung nur durch Blickkontakt und Schulterzucken. Das Maximum an körperlicher Bewegung ist das gelegentliche Heben des Kopfes über die Kuppe, um zu prüfen, ob noch immer kein Birkhahn Lust zum Balzen hat. Vielleicht ist das schon zu viel für einen Vogel, der an jeder Feder ein Auge hat? Noch schlimmer erscheint mir, dass Stefans 800-Millimeter-Objektiv auf einem Stativ wie eine Kanone über der Kuppe thront. &#8222;Birkwild&#8220;, hat Lydia schließlich am Abend in der Hütte erklärt, &#8222;ist empfindlich gegen jede Veränderung seiner Umwelt.&#8220;</p>
<p>Plötzlich sind sie dann doch da, die Birkhähne. Der Balzplatz bleibt zwar leer, doch von unten hört man ihre typischen Balzlaute, das &#8222;Kollern&#8220;, wie eine Art Gurgeln, ein sich immer wieder wiederholendes urrg-urrg-urrguuu. &#8222;Eine Stunde länger&#8220;, flüstern wir uns zu, trotz klammer Finger und klappernder Zähne. Nach der Stunde legen wir noch 30 Minuten zu. Doch unser Platz bleibt weiß und unberührt von den &#8222;schwarzen Rittern&#8220;, wie die Jäger die Birkhähne auch nennen.</p>
<div id="attachment_85" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/04/hahnenfieber.jpg"><img class="size-medium wp-image-85" title="HAHNENFIEBER" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/04/hahnenfieber.jpg?w=300&#038;h=204" alt="" width="300" height="204" /></a><p class="wp-caption-text">Im Hahnenfieber: Autor Stefan Teplan (3.v.r.) mit Lydia Bongartz und Fotografen - Ausriss aus dem Magazin WELTBILD Nr. 5/2000</p></div>
<p>Für die ausgefallenen Ritterspiele entschädigt Lydia uns am Nachmittag mit einer Schneeschuh-Pirsch durch den Bergwald. Es muss nicht immer Birkhahn sein. Wir lernen die Fährten von Rehen, Hirschen und Gämsen zu unterscheiden, entdecken die Spuren eines Schneehuhns, sehen gelegentlich Gämsen auf den Bergwiesen äsen, lassen uns die Losung, also den Kot, eines Schneehasen zeigen und riechen den süßen Duft gelber Aurikeln, die an den Wegrändern blühen.</p>
<p>Aber Losung hin, Aurikel her, von unserem Birkhahn lassen wir uns so schnell nicht abbringen. Noch haben wir einen Morgen Zeit zu zittern und zu bibbern. Diesmal werden einige zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen: Wir sind ohne Taschenlampen, einander im Dunkeln nur an den Händen haltend, zum Balzplatz aufgestiegen. Und kein Fotograf durfte sein Kanonenrohr auf der Kuppe aufbauen. Erneut liegen wir durchfroren auf dem Erdhügel, erneut kollern die Birkhähne ganz woanders. Drei Stunden halten wir durch, bis Rita das Schweigen mit dem ersten Satz des Tages durchbricht: &#8222;Schluss jetzt! Ich will in die Hütte, einen heißen Tee.&#8220;</p>
<p>Just in diesem Moment glaube ich einen Birkhahn zu sehen. Ausgerechnet ich, der kurzsichtigste von allen, der dafür das beste Fernglas hat. Ich muss schon auf 20-fache Vergrößerung hochzoomen, um in dem schwarzen Punkt in einem Kilometer Entfernung, weit drüben auf dem Berghang zur Linken, einen Birkhahn zu erkennen. „Der Punkt war vorher noch nicht da“, beteuere ich. „Und es ist ein Birkhahn.“ Mein Fernglas wird herumgereicht. „Es ist keiner“, sagt Thomas. &#8222;Ich weiß nicht&#8220;, sagt Bernd. „Es ist einer“, sagt Günther. „Es ist einer“, sagt Lydia. Na also! Sie muss es wissen.</p>
<p>Rita muss noch lange auf ihren Tee warten, denn die Begeisterung kennt plötzlich keine Grenzen. Eine halbe Stunde lang betrachten wir unter fachkundigen Kommentaren den weit entfernten schwarzen Ritter auf weißem Parkett. &#8222;Er dreht sich.&#8220; &#8222;Aber er balzt nicht, weil er sich ja mit keinem anderen Hahn messen muss.&#8220; &#8222;Er hat seine Henne schon, und jetzt muss er sich nicht mehr anstrengen.&#8220; &#8222;Wie bei den Menschen.&#8220; Tatsächlich erkennen wir in der Nähe des schwarzen Hahns eine braune, anfangs gut getarnte Birkhenne, die sich erst verrät, als sie aus einer schützenden Baumgruppe in das weiße Schneefeld neben dem Hahn tritt.</p>
<p>Zurück auf der Hütte lobt Lydia unsere Zähigkeit und Disziplin. Und als ich beim Heidedichter Hermann Löns ein Kapitel über die Birkhahnjagd nachlese, weiß ich vollends , dass wir die Pirsch nicht anders erlebt haben als die Profis. &#8222;Meist&#8220;, schreibt Löns in seiner Erzählung „Hahnenfieber&#8220;, kommt „eine ganze Weile gar nichts.&#8220; Dann kommt „eine Weile nichts als eine Gänsehaut nach der anderen. Die kalten Füße verlängern sich bis an die Gegend, wo die Hosenträger ihr Ende finden.&#8220;</p>
<p>Eins aber kann man von Löns lernen: Er empfiehlt eine Birkhahnpirsch als ideale Fitnesskur für gestresste Stadtbewohner: &#8222;Spielte man früher in weißen Höschen Tennis und hüpfte wie ein Lämmlein hinter den Netzen umher, um nicht an den Folgen des gebildeten Lebens dahinzusiechen, weiß man jetzt, dass es noch etwas Besseres gibt, um Herz und Beine aufzufrischen: Man geht auf Birkwild.&#8220;</p>
<p style="text-align:right;"><em>© Stefan Teplan</em></p>
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			<media:title type="html">Ausriss aus Weltbild Nr. 5, 2000, Stefan Teplan</media:title>
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			<media:title type="html">HAHNENFIEBER</media:title>
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		<title>In den Schluchten des Atlas</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Apr 2009 10:51:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Teplan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Abenteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Marokko]]></category>
		<category><![CDATA[Atlas]]></category>
		<category><![CDATA[Berber]]></category>
		<category><![CDATA[Rudi Hoffmann]]></category>
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		<description><![CDATA[Von Stefan Teplan Gigantische Felsmassive, reißende Flüsse, steile Schluchten, deren Seitenwände Hunderte von Metern ach oben ragen – an manchen Stellen so dicht beieinander, dass man sie fast gleichzeitig links und rechts mit den Händen berühren kann. Das ist der Atlas. Fruchtbare Täler, mit Bewässerungsrinnen der Natur abgetrotzte Paradiese voller Getreide-, Kartoffel- oder Safranfelder. Grüne [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=reisereportagen.wordpress.com&amp;blog=7057200&amp;post=44&amp;subd=reisereportagen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><strong>Von Stefan Teplan</strong></p>
<div id="attachment_46" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-46" title="ausschnitt-aus-atlas-reportage-von-stefan-teplan" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/04/ausschnitt-aus-atlas-reportage-von-stefan-teplan.jpg?w=300&#038;h=168" alt="Erstveröffentlichung der Reportage in Weltbild Nr. 23, 1997" width="300" height="168" /><p class="wp-caption-text">Erstveröffentlichung der Reportage in Weltbild Nr. 23, 1997</p></div>
<p class="MsoNormal" style="margin:0 0 10pt;"><span style="font-family:Calibri;"><strong><span style="line-height:115%;font-size:20pt;">G</span></strong><span style="font-size:small;">igantische Felsmassive, reißende Flüsse, steile Schluchten, deren Seitenwände Hunderte von Metern ach oben ragen – an manchen Stellen so dicht beieinander, dass man sie fast gleichzeitig links und rechts mit den Händen berühren kann. Das ist der Atlas. Fruchtbare Täler, mit Bewässerungsrinnen der Natur abgetrotzte Paradiese voller Getreide-, Kartoffel- oder Safranfelder. Grüne Hänge, bewachsen mit Walnussbäumen – teilweise jahrhundertealt &#8211; , Mandelbäumen, Feigenbäumen. Auch das ist der Atlas. Einmal weltabgeschiedene Oasen der Einsamkeit und der Stille. Dann wieder Berberdörfer erfüllt von Kinderlärm, Lachen, Musik – und Farben: rotleuchtende, in die Berghänge eingebettete Lehmhäuser, durch deren enge Gassen Frauen und Kinder in ihren grellbunten Kleidern laufen und mit Brennholz und Erntegut bepackte Maultiere ziehen.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0 0 10pt;"><span style="font-family:Calibri;font-size:small;">Wer auch immer in einem Reiseführer den Atlas lapidar als „größtenteils karges, ödes Gebirgsland“ beschrieben hat, war entweder nie dort oder kann nur einen Nachmittag mit dem Auto hinein geschnuppert haben.  Aber der Atlas lässt sich nicht mit dem Auto erkunden. Ausgetretene Maultierpfade sind der einzige Luxus für den, dem er seine schönsten Seiten zeigen soll.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0 0 10pt;"><span style="font-family:Calibri;font-size:small;">Wir schnuppern nicht hinein, wir lernen ihn in seiner ganzen Vielseitigkeit kennen. Das Auto genügt allenfalls für die Anfahrt in die Randzone. Drei Landrover bringen uns, 14 Journalisten und drei Führer, von Marrakesch nach Imelghas – beliebter Ausgangspunkt für Trekkingtouren durch das Tal des Mgoun, mit 4068 Metern zweithöchste Erhebung eines der mächtigsten Gebirge der Welt. Mehr als 400 Gipfel über 3000 Metern Höhe reihen sich auf 700 Kilometern Länge aneinander. Wir besteigen den Mgoun, von dem aus man einen Blick bis in die Sahara hat, auf unserer Tour nicht, sondern wandern nach einem Aufstieg zum Pass Titi-N-Ait-Imi (2095 Meter) wieder abwärts und folgen dem Lauf des Mgoun-Flusses. Maultiere schleppen unser Gepäck, ein Berberteam bereitet Speisen und Getränke zu, macht Feuer und unterhält uns abends mit seinen uralten traditionellen Gesängen, Trommelrhythmen und Tänzen. Echter kann man Folklore nicht erleben.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0 0 10pt;"><img class="aligncenter size-medium wp-image-45" title="weltbild-nr-23-1997-ausschnitt-aus-atlas-trekking-reportage" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/04/weltbild-nr-23-1997-ausschnitt-aus-atlas-trekking-reportage.jpg?w=300&#038;h=168" alt="weltbild-nr-23-1997-ausschnitt-aus-atlas-trekking-reportage" width="300" height="168" /></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0 0 10pt;"><span style="font-family:Calibri;font-size:small;"><strong><em>Ausschnitt aus der Erstveröffentlichung der Reportage in Weltbild Nr. 23, 1997</em></strong></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0 0 10pt;"><span style="font-family:Calibri;font-size:small;">Mehr und mehr werden wir beim Passieren der Dörfer Tahant, Tagraft und Taghzout mit der Lebensweise der Berber vertraut, übernachten zweimal in deren Häusern, bevor es wieder in die Wildnis geht. Eineinhalb Tage lang durchqueren wir, das Wasser oft bis in nabelhöhe, den Mgoun-Fluss im Zickzack-Kurs, da einmal links, einmal rechts das Ufer nicht begehbar ist – ein ununterbrochenes Wechselbad zwischen glühendheißer Luft und eiskalten Fluten.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0 0 10pt;"><span style="font-family:Calibri;font-size:small;">Dass man bei einer Trekkingtour in afrikanischen Ländern nicht europäische Ansprüche an Komfort und Hygiene stellen kann, versteht sich (so hatte der größte Teil unserer Teams zeitweise gegen schweren Durchfall zu kämpfen). Dennoch: Als wir die Nacht vor dem Rückflug in einem Viersterne-Hotel in Ourzazate verbringen, würden wir den ganzen Luxus sofort eintauschen gegen ein Lager unter dem freien Atlashimmel, wohin keine Straße führt und wo kein Laut die Stille zerreißt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:right;margin:0 0 10pt;"><span style="font-family:Calibri;font-size:small;"><em> © Stefan Teplan</em></span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:right;margin:0 0 10pt;"><span style="font-family:Calibri;font-size:small;"><em>Erstveröffentlichung im Magazin Weltbild Nr. 23, 1997</em></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0 0 10pt;"><span style="font-family:Calibri;font-size:small;"> </span></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/reisereportagen.wordpress.com/44/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/reisereportagen.wordpress.com/44/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/reisereportagen.wordpress.com/44/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/reisereportagen.wordpress.com/44/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/reisereportagen.wordpress.com/44/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/reisereportagen.wordpress.com/44/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/reisereportagen.wordpress.com/44/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/reisereportagen.wordpress.com/44/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/reisereportagen.wordpress.com/44/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/reisereportagen.wordpress.com/44/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/reisereportagen.wordpress.com/44/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/reisereportagen.wordpress.com/44/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/reisereportagen.wordpress.com/44/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/reisereportagen.wordpress.com/44/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=reisereportagen.wordpress.com&amp;blog=7057200&amp;post=44&amp;subd=reisereportagen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Durch die Wüste</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Apr 2009 13:53:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Teplan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Abenteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Marokko]]></category>
		<category><![CDATA[Beduinen]]></category>
		<category><![CDATA[Reise]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Tage: zum Sterben heiß. Die Nächte: zum Sterben kalt. Und Blicke zum Sterben schön &#8211; bei Tag wie bei Nacht. Dabei sieht man eigentlich immer das gleiche: In den Nächten den klaren Sternenhimmel, der nirgendwo so greifbar über einem zu stehen scheint wie in der Wüste. Bei Tageslicht taucht das Auge in ein gewaltiges [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=reisereportagen.wordpress.com&amp;blog=7057200&amp;post=29&amp;subd=reisereportagen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_30" class="wp-caption aligncenter" style="width: 397px"><img class="size-large wp-image-30   " title="sahara-fotos-stefan-teplan" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/04/sahara-fotos-stefan-teplan.jpg?w=387&#038;h=218" alt="Trekking durch die Sahara - unter diesem Titel erschien diese Geschichte erstmals im Magazin eltbild, Nr. 21/1996 (s. Ausschnitt). Die Fotos sind von Stefan Teplan" width="387" height="218" /><p class="wp-caption-text">Trekking durch die Sahara - unter diesem Titel erschien diese Geschichte erstmals im Magazin Weltbild, Nr. 21/1996 (s. Ausschnitt). Die Fotos sind von Stefan Teplan</p></div>
<p><strong>D</strong>ie Tage: zum Sterben heiß. Die Nächte: zum Sterben kalt. Und Blicke zum Sterben schön &#8211; bei Tag wie bei Nacht. Dabei sieht man eigentlich immer das gleiche: In den Nächten den klaren Sternenhimmel, der nirgendwo so greifbar über einem zu stehen scheint wie in der Wüste. Bei Tageslicht taucht das Auge in ein gewaltiges Meer von Sand und Dünen oder Felsen und Schotterfeldern. Eintönig? Mag sein. Aber diese Monotonie übt &#8211; es gibt so etwas wie einen Reiz der Reizlosigkeit &#8211; eine ganz eigenartige Faszination aus; die Sinne werden ruhiger, das Denken wird gelassener und man nimmt inmitten der unendlichen Weiten als Besonderes wahr, was man sonst unbeachtet ließe. Jede Akazie, jeder Strauch, die die grenzenlose Öde aus Stein und Sand unterbrechen, werden zum Ereignis.</p>
<p>Alles ist hier extrem. Die Temperaturen, die Öde, die Weite, die Stille. Es wird so heiß, dass nicht daran zu denken ist, die Hosenbeine oder Ärmel hochzukrempeln, um sich zu bräunen. Die Sonne würde gnadenlos die Haut verbrennen. Selbst das Gesicht muss gelegentlich mit einem leichten Schleier bedeckt werden, der bei Wind Nase und Mund vor eindringendem Sand schützt~</p>
<p>Eine Woche lang setzen wir uns allen Schönheiten und Strapazen des Lebens in der Wüste aus, durchqueren in sechs Tagesmärschen die Westsahara im Süden Ma- rokkos von der Oasenstadt Zagora bis zu einer Oase an der algerischen Grenze, Wir, das sind zwölf Journalisten, die die Wüste erleben wollen, und sieben Beduinen, deren Leben seit jeher die Wüste ist. 13 Kamele tragen unser Gepäck und &#8211; wenn uns die Lust am Marschieren vergeht &#8211; uns selbst. Auf Komfort müssen wir verzichten, schlafen nachts auf Decken am Boden, bekommen gerade das nötigste Wasser für die Katzenwäsche und dürfen dann Stunden in der Hitze gehen, gehen, gehen, wenn wir nicht &#8211; der einzige Luxus &#8211; einen Ritt auf einem Kamel vorziehen. &#8222;Die Wüste&#8220;, belehrt uns Reiseveranstalter Rudi Hoffmann, der uns auf der Trekking-Karawane begleitet, ,,lässt sich nun mal nichtstaubfrei, klimatisiert und durch getönte Scheiben erfahren.&#8220; Die Wüste will erobert werden. Um sie zu erleben, muss man sich ihr überlassen, sich ihr anpassen, muss, wie Rudi erklärt, „dem Rhythmus der Natur folgen.“</p>
<p>Dieser Rhythmus funktioniert nach einfachen Gesetzen: die Kälte weckt uns oft schon vor dem ersten Morgenlicht, dann heißt es frühstücken, sich waschen, Kamele satteln und frühzeitig aufbrechen, um noch vor der großen Mittagshitze einen Rastplatz im Schatten einer Akazie zu finden. Nach der zweiten Etappe, vor Einbruch der Dunkelheit, bauen wir mit den Beduinen ein Lager auf. Basaid kocht Tee, Mobarak backt im glühenden Sand Brot, Moktar, Ramdan und Ali machen &#8211; mit einem Wasserkanister als Trommel, einer Flöte, einem Vorsänger und Chor &#8211; Musik.</p>
<p>Abdellah, ihr Anführer, missioniert indes: Er will uns naturentwöhnten Westlern die Kultur der Nomaden und das Leben in der Wüste näherbringen. „Die Wüste“, predigt er, „ist kein leerer Raum, sondern ein heiliger Ort.“ Und mit glühender Liebe zitiert er ein Nomaden-Sprichwort: „Gott erschuf das Land und das Wasser zum Leben, die Wüste aber für die Menschen, die ihre Seele finden wollen.“<span style="line-height:150%;font-size:12pt;"><span style="font-family:Arial;"> </span></span></p>
<p style="text-align:right;"><span style="line-height:150%;font-size:12pt;"><span style="font-family:Arial;"><em>Copyright: Stefan Teplan</em></span></span></p>
<p style="text-align:right;"><span style="line-height:150%;font-size:12pt;"><span style="font-family:Arial;"><em>Erstveröffentlichung im Magazin WELTBILD, Nr. 21/1996</em> </span></span></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/reisereportagen.wordpress.com/29/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/reisereportagen.wordpress.com/29/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/reisereportagen.wordpress.com/29/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/reisereportagen.wordpress.com/29/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/reisereportagen.wordpress.com/29/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/reisereportagen.wordpress.com/29/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/reisereportagen.wordpress.com/29/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/reisereportagen.wordpress.com/29/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/reisereportagen.wordpress.com/29/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/reisereportagen.wordpress.com/29/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/reisereportagen.wordpress.com/29/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/reisereportagen.wordpress.com/29/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/reisereportagen.wordpress.com/29/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/reisereportagen.wordpress.com/29/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=reisereportagen.wordpress.com&amp;blog=7057200&amp;post=29&amp;subd=reisereportagen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Auf den Spuren von Agatha Christie</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Mar 2009 00:59:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Teplan</dc:creator>
				<category><![CDATA[England]]></category>
		<category><![CDATA[Agatha Christie]]></category>
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		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
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		<description><![CDATA[Moorland Hotel – der Name trifft es. Moorland, nichts als weite, karge Heide, Hügel und Senken voller Stechginster, Farn und Wacholder, mit felsigen Höhen und sumpfigen Niederungen, umgibt den alten Granitbau. Eine Baumgruppe hält den rauen Heidewind vom Haus ab, seine wenig einladende Fassade soll wohl zu viele Besucher abwehren. „Viel los ist hier eigentlich [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=reisereportagen.wordpress.com&amp;blog=7057200&amp;post=16&amp;subd=reisereportagen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_58" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/03/morning-mist-photography-by-stefan-teplan.jpg"><img class="size-medium wp-image-58 " title="Morgennebel im Moor. Foto Stefan Teplan" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/03/morning-mist-photography-by-stefan-teplan.jpg?w=300&#038;h=225" alt="Morning mist in the moor. Photography by Stefan Teplan" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Morgennebel im Moor. Foto Stefan Teplan</p></div>
<p class="MsoNormal" style="margin:0 0 10pt;"><span style="font-size:small;font-family:Calibri;">Moorland Hotel – der Name trifft es. Moorland, nichts als weite, karge Heide, Hügel und Senken voller Stechginster, Farn und Wacholder, mit felsigen Höhen und sumpfigen Niederungen, umgibt den alten Granitbau. Eine Baumgruppe hält den rauen Heidewind vom Haus ab, seine wenig einladende Fassade soll wohl zu viele Besucher abwehren. „Viel los ist hier eigentlich nie&#8220;, erzählt mir William, ein alter Engländer aus dem Dorf Haytor. Das also ist das Haus, in dem Agatha Christies Karriere ihren Anfang nahm. Kein Lärm um die Weltberühmte, deren Bücher mit 400 Millionen Auflage zu den meistverkauften nach der Bibel und den Dramen Shakespeares gehören. Keine Reklametafel, kein Hinweisschild, für Sightseeing-Touristen oder Literaturpilger. Typisch englisches Understatement? „Nein“, meint William. „Denn nicht das Haus selbst macht den Reiz des Hotels aus, sondern seine Umgebung. Nur deswegen ist Agatha Christie hierher gekommen. Wenn Sie auf ihren Spuren gehen wollen, dann gehen Sie ins Dartmoor.“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0 0 10pt;"><span style="font-size:small;font-family:Calibri;">Agatha Christie hat es auch so gesehen. „Trübselig“ nennt sie in ihren Memoiren das Haytor Hotel, wie es zur Zeit ihres zweiwöchigen Dartmoor-Aufenthalts im Jahr 1915 noch hieß. Trübselig, Aber für ihre Zwecke goldrichtig. Sie suchte damals keinen Luxusurlaub, sondern einen idealen Ausgangspunkt für Wanderungen ins Moor. Das ist Haytor, am Ostrand des Dartmoor National Park gelegen, ohne Zweifel. Vor allem aber suchte Christie eins: einen ruhigen Platz zum Schreiben. Die damals 25-Jährige hatte sich soeben entschlossen, Krimi-Schriftstellerin zu werden, kam aber mit ihrem Buch „Das fehlende Glied in der Kette“ nicht so recht voran. „Also“, erinnert sie sich in ihrer Autobiographie, „fuhr ich ins Dartmoor. Ich nahm mir ein Zimmer im Haytor Hotel. Es war ein großes, trübseliges Hotel mit einer Unzahl von Zimmern und nur schwach besetzt. Eifrig schrieb ich den ganzen Vormittag, bis mir die Hand weh tat. Dann aß ich zu Mittag und las etwas. Nachher unternahm ich einen ausgedehnten Spaziergang über das Moor. Ich liebte die Heiden und die hohen, felsigen Hügel abseits der Straßen.“ </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0 0 10pt;"><span style="font-size:small;font-family:Calibri;">Der Dartmoor-Urlaub hatte seine Wirkung nicht verfehlt, Agatha Christies „erster Mord“ traf ins Herz des Publikums. Der Rest ist Legende.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0 0 10pt;"><span style="font-size:small;font-family:Calibri;">Wir folgen Williams rat. Frühmorgens, noch im Dunkel, brechen wir ins Moor auf. Am schönsten soll es dort sein, wenn es dämmert. Und am gruseligsten. Wie in Christies Romanen. Noch sieht man die Hand kaum vor den Augen; das wenige, das man im langsam heraufziehenden Morgenlicht durch den Dunst erkennt oder zu erkennen glaubt, wirkt gespenstisch. Schatten lösen sich aus dem Nebel, der das Land noch einhüllt, allmählich heraus, das Gehirn arbeitet mehr mit der Phantasie als mit verlässlicher Wahrnehmung. Ist die dunkle Gestalt, die plötzlich vor uns steht, ein Mensch, ein Schäfer, vielleicht ein Bauer? Oder nur ein sich im Wind wiegender Wacholderstrauch? Bizarr geformte Felsblöcke tauchen plötzlich vor uns auf – die so genannten „tors“, die überall im Dartmoor stehen. Mehrere Tiere kommen über eine Hügelkuppe heran. Nein, kein Grund zum Schaudern. „Es sind nur Schafe“, raune ich dem Fotografen zu. „Aber jetzt kann ich verstehen, warum dieser Ort Krimi-Autoren so inspiriert. Wusstest Du übrigens, dass auch der Sherlock-Holmes-Roman ‚Der Hund von Baskerville‘ im Dartmoor spielt? Mit etwas Phantasie spürt man hier regelrecht das Grauen in der Luft.“ Wenn Orte Schriftsteller prägen, dann liegt hier, nur hier die Geburtsstätte der Schriftstellerin Agatha Christie, und nicht in Torquay, das sich als ihr Geburtsort rühmt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0 0 10pt;"><span style="font-size:small;font-family:Calibri;">Torquay? Das ist eine ganz andere Welt. Wenn die Stadt an der englischen Riviera auch gerade einmal 30 Kilometer entfernt von Haytor liegt, uns erscheint es, als wären wir Hunderte Kilometer weiter tief in den Süden gefahren. Kein Dunst, kein nebel versperrt die Sicht von den Hügeln auf das Meer, es ist wärmer, die Stadt wirkt fast mediterran, Palmen säumen die Küstenstraße in diesem Nizza Englands, in dem Agatha Christie geboren wurde und ihre ersten 30 Lebensjahre verbracht hat. Noch liegt Torquay im Winterschlaf. „Aber“, warnt uns Kelvin vor, „kommt mal im Sommer, dann kriegt ihr hier ohne Reservierung kaum noch einen Platz.“ Kelvin Bayldow und seine Frau Annie führen das älteste, romantischste und sehenswerteste Pub in Torquay, das „Hole In The Wall“. Seit dem 15. Jahrhundert ist es als Schmuggler-Taverne bekannt. „Nur“, witzelt Kelvin, „müssen wir, seit es keine EU-Grenzkontrollen mehr gibt, eigentlich gar nicht mehr schmuggeln. Auf Alkohol und Tabak stehen hier in England wahnsinnig hohe Steuern, aber das holen wir uns jetzt lastwagenweise billiger und völlig legal aus Frankreich.“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0 0 10pt;"><span style="font-size:small;font-family:Calibri;">Wir sind freilich weniger an Alkohol in rauen Mengen interessiert als an Agatha Christie. Auch da hilft Kelvin weiter: „Dann müsst ihr hier unbedingt ins Torquay Museum und nach Torre Abbey. Dort ist Agatha alte Reise-Schreibmaschine ausgestellt, Gegenstände aus ihrem persönlichen Besitz, Spielzeug aus ihrer Kindheit. Im Torre Abbey (die Abtei, in der Christie getauft wurde – Anm. d. Red.) steht auch ein eigens Agatha-Christie-Gedenkzimmer“. „Und vergesst nicht Ashfield“, mischt sich ein Besucher an der Bar ein, „die Villa ihrer Eltern. Und natürlich Babbacombe Beach. Dorthin ging sie immer zum Baden.“ Agatha Christie kennt hier wohl jeder.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0 0 10pt;"><span style="font-size:small;font-family:Calibri;">Auf Kelvins Empfehlung hin suchen wir am nächsten Tag noch das malerische Fischerörtchen Polperro in Cornwall auf. Die Miss-Marple-Geschichte „Goldbarren“ spielt hier. Als wir den Ort erreichen, haben wir mit dem Wetter Pech, aber Glück bei der Spurensuche: Sturmartige Böen peitschen den regen ins Gesicht, meterhoch schlagen die Wellen an die Steilküste, graue Wolken umhüllen das Dorf. Exakt jenes Wetter, das in Christies „Goldbarren“ herrscht, als ein Mann dort mysteriös verschwindet. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0 0 10pt;"><span style="font-size:small;font-family:Calibri;">Polperro blieb allerdings einer der wenigen Ausflüge Agatha Christies nach Cornwall. Die Autorin war sonst, abgesehen von ihren wenigen im Orient spielenden Romanen, ihrer heimatlichen Grafschaft Devon verhaftet, an deren Küste die letzten zwei Etappen unserer Reise in ihren Fußspuren führen. Das Hotel Burgh Island auf der gleichnamigen Halbinsel ist Schauplatz ihrer Romane „Zwei kleine Negerlein“ und „Das Böse unter der Sonne“. Setzt die Flut ein, steht der Weg zum Hotel unter Wasser. Diese exponierte Lage war es, die Agatha Christie inspirier hat, das Inselhotel als einen Ort zu beschreiben, von dem es im Ernstfall kein Entrinnen mehr gibt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0 0 10pt;"><span style="font-size:small;font-family:Calibri;">Die Meisterin des Kriminalromans selbst zog nach dem Zweiten Weltkrieg aus Torquay um in eine Villa mit Traumlage. Knapp zehn Kilometer von ihrer Geburtsstadt entfernt kaufte sie bei Dartmouth, am Ufer des Flusses Dart, das 1780 erbaute „Greenway House“, von einem großen Park umgeben, mit einem Bootshaus am Fluss. Laubbäume, Magnolien und große Rhododendronbüsche um die Villa machen leider eine Sicht auf das Haus unmöglich. Christies Nachfahren, die das Haus der 1976 verstorbenen Autorin noch bewohnen, gestatten keinen Zutritt zum Park. Eine Möglichkeit, die front des Hauses zu sehen, existiert freilich doch: Täglich mehrfach fährt von Dartmouth aus eine Fähre den Dart hinauf und passiert dabei das „Greenway House“. Eine Stunde Zeit haben und zwölf Mark investieren muss, wer sehen will, wo die Krimi-Klassikerin zuletzt gelebt hat. Und bekommt dafür auch noch einen weiteren berühmten Tatort zu sehen: Christies Bootshaus ist Kulisse des Mordes in „Wiedersehen mit Mrs. Oliver.“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0 0 10pt;"><img class="alignnone size-medium wp-image-21" title="stefan-teplan-in-weltbild-nr-4-1999" src="http://reisereportagen.files.wordpress.com/2009/03/stefan-teplan-in-weltbild-nr-4-1999.jpg?w=300&#038;h=168" alt="stefan-teplan-in-weltbild-nr-4-1999" width="300" height="168" /></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0 0 10pt;"><span style="font-size:small;font-family:Calibri;">A</span><span style="font-size:small;font-family:Calibri;"><em>usriss aus der Erstveröffentlichung dieser Geschichte </em></span><span style="font-size:small;font-family:Calibri;"><em>im Magazin WELTBILD Nr. 4/1999</em></span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:right;margin:0 0 10pt;"><em> </em></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:right;margin:0 0 10pt;"><em><span style="font-size:small;"><span style="font-family:Calibri;">Copyright: Stefan Teplan</span></span></em></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:right;margin:0 0 10pt;"><em><span style="font-size:small;"><span style="font-family:Calibri;">Erstveröffentlichumg im Magazin WELTBILD Nr. 4 / 1999.</span></span></em></p>
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